Fady Hadid ist 23 Jahre alt und studiert in Bagdad. Zumindest versucht er das, wenn nicht gerade wieder Bomben explodieren. Außerdem dreht und produziert Hadid Filme. Im Februar war er in Deutschland auf dem Berlinale Talent Campus zu Besuch. Jetzt erscheint im Internet die von ihm produzierte Dokumentarfilmreihe Hometown Baghdad . Sie soll zeigen, wie junge Menschen im Irak heute leben. Heute, vier Jahre nach Beginn des dritten Golfkrieges, sind die ersten drei von 40 Folgen auf der Nachrichtenplattform Salon und der Webseite von Hometown Baghdad zu sehen. Unter welchen Bedingungen die Filme entstanden sind und wieso er sie gedreht hat, erzählte Fady Hadid im Chat. © Zuender

Info: Die Dokumentarfilmreihe Hometown Baghdad wurde im Sommer 2006 in Bagdad gedreht. Sie will Menschen auf der ganzen Welt einen Einblick in den Alltag junger Iraker gewähren. Vier Jahre nach Beginn des dritten Golfkrieges, am 19. März, werden die ersten drei von 40 Folgen veröffentlicht. Sie werden nur im Internet zu sehen sein. BILD Fady Hadid hat die Filmreihe produziert© Foto Hadid: Ziad Turkey

Hometown Baghdad ist eine Koproduktion mit der amerikanischen Firma NextNext Entertainment . Du koordinierst das Projekt auf irakischer Seite. Wie kam die Kooperation zustande?

Ein Bekannter, der Filmemacher in Jordanien ist, stellte uns vor. Das war vor drei Jahren. Ich produzierte und drehte dann eine Folge für eine Serie, die NextNext damals produzierte, sie hieß Chat the Planet “. Bei dem Projekt wurden Studenten aus Bagdad und Ohio live miteinander verbunden und tauschten sich über Krieg, Politik, Musik und andere Themen aus. Seitdem sind wir in Kontakt – hauptsächlich per Messenger und E-Mail. Anfang vergangenen Jahres standen wir uns zum ersten Mal gegenüber, NextNext hatte mich nach New York eingeladen.

Drei Monate lang hast du mit deinem Film-Team in Bagdad mitten im Krieg gefilmt. Warum habt ihr dieses Risiko auf euch genommen?

Die Filme geben einen Einblick in das wirkliche Leben der jungen Leute aus Bagdad, aus dem Irak im Allgemeinen. Wir mussten dieses Risiko eingehen, denn nur so konnten wir diese Geschichten der Öffentlichkeit zeigen. Natürlich gibt es hier keine sichere Art zu drehen. Aber wir wollten auf gar keinen Fall vor den Gefahren kapitulieren, uns dadurch keine Grenzen setzen lassen.

Worauf musstet ihr bei den Dreharbeiten besonders achten?

In den Straßen von Bagdad ist es gefährlicher eine Kamera in der Hand zu halten als eine Waffe. Filmcrews werden hier regelmäßig Opfer von Überfällen und Entführungen. Ich musste mir also vor jedem Drehtag fünf Mal überlegen, ob die maximale Sicherheit aller Beteiligten wirklich gewährleistet ist.