Das Paradies ist dreißig Hektar groß und liegt in Kopenhagen, Dänemark. Christiania steht über dem Tor, das auf ein ehemaliges Kasernengelände führt. Dahinter toben Kinder in Batikshirts über Trampelpfade, meist langhaarige Bewohner gehen in bemalten Hütten und Bauwagen ihrem Tagewerk nach. Sie recyceln Schrott, bauen Fahrräder zusammen, klimpern auf Gitarren herum oder liegen Grashalme kauend in der Sonne. Ein See, ein Wäldchen und Wiesen für alle; Cafés, Kunsthallen, Theater und Schwimmhalle auch.

Was ist das hier? Eine nonkonformistische 800-Seelen-Enklave mit eigenem Postwesen und eigener Verwaltung im Zentrum der Hauptstadt Dänemarks? Eine Hippie-Kommune, alternatives Wohnprojekt, Lebenskünstler-Dorf? So steht es noch in den Reiseführern.

Die Nachrichten zeigen etwas anderes. Von Tumult und Krawallen in Kopenhagen ist dort die Rede, Randalierer, die Barrikaden bauen und Flaschen und Feuerwerkskörper auf Polizisten werfen. Das war vor zwei Monaten so, als das selbstverwaltete Jugendzentrum Ungdomshuset erst geräumt und dann abgerissen wurde. In der vorigen Woche kam die Gewalt nach Christiania. Beschützt von vielen Polizisten rissen Arbeiter der Stadt ein Haus in der Kommune ab, wieder zogen Rauchschwaden durch die Bilder der Fernsehnachrichten. 59 Personen wurden festgenommen, fünf von ihnen zu 20 Tagen Haft verurteilt.

Autonome hätten sich mit kriminellen Haschischhändlern zusammengetan, sagte Kopenhagens Polizeichef Per Larsen später, "für die einen ist das eine politische Angelegenheit, für die anderen geht es um Geld". Die Räumungsaktion sei nur ein Vorwand gewesen, eigentlich gehe es darum, die "Schleusen für den privaten Wohnungsmarkt zu öffnen und Christiania ähnlich wie das Ungdomshuset platt zu machen", heißt auf der Gegenseite .

So viel Wirbel um ein abgerissenes Holzhaus? Um das zu verstehen, lohnt es sich, einen kurzen Blick auf die Geschichte von Christiania zu werfen. Sie beginnt im Jahr 1971.