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Im Supermarkt vergleiche ich die Margarinepreise, meine Klamotten kosten nicht mehr als drei bis fünf Euro auf dem Flohmarkt oder sieben bis zwanzig bei H&M. Ich kaufe mir keine Computer, Stereoanlagen oder Fernseher. Ich habe kein teures Hobby, verkneife mit Hardcover-Bücher und esse sehr oft Spaghetti mit Tomatensoße.

Trotzdem bin ich immer pleite. Es liegt auch nicht am Geldeingang, ich gehe nämlich arbeiten und mein Arbeitgeber zahlt seine Rechnungen pünktlich.

Schuld sind erstens: Abende, die drohen spaßig zu werden. Sobald das zweite Bier ausgetrunken ist und das ein oder andere mal gelacht wurde, öffnen sich die Schleusen. Ach komm, ich geb 'ne Runde. Nein, 15 Euro Eintritt für einen Club sind nicht zu viel. Lass uns doch Taxi fahren. Und vorher noch was essen. Hier, ich leih Dir Geld, auch wenn ich es morgen vergessen habe und deswegen nie wieder bekomme. Und eigentlich könnten wir ja vorher noch einen Wodka trinken – ich bezahle. Voll egal. So verschwinden utopische Summen von meinem Konto – innerhalb weniger Stunden. Einmal habe ich betrunken 200 Euro abgehoben, anstatt 20, und danach meine Handtasche in der Straßenbahn liegen lassen.

Seit dem habe ich einen Dispo. Die Sparkassenberaterin hat mir geglaubt als ich etwas von "Aber… Miete zahlen…" gestammelt habe.

Der zweite Grund: meine Ungeduld. Wenn ich keine Zeit habe, woran ich eigentlich immer selbst Schuld bin, gebe ich Geld aus. Ja, es gibt ungefähr 400 Mitfahrgelegenheiten von Berlin nach Hamburg. Aber wenn man erst am Freitag, kurz bevor man losfahren will, anfängt sich darum zu kümmern, sind natürlich alle voll – dann nehme ich eben den ICE. Drei Wochen Backpacking in Sibirien haben mich insgesamt gerade mal 400 Euro gekostet. Mit Kohlsuppe, zelten und wandern. Aber dann, auf dem Rückweg, in Moskau, fand ich das Hostel nicht. Ich war schmutzig, mir war kalt und ich hatte Bauchschmerzen. Es wurde dunkel und auf einmal musste alles ganz schnell gehen. Scheiß drauf, dann eben ein Hotel. Den Preis für eine Nacht in einem Moskauer Hotel verrate ich an dieser Stelle nicht – aber der Mann an der Rezeption hat komisch geguckt, als die schmutzige Frau mit dem Rucksack sagte, sie wolle diesen Preis bezahlen.