© Bild: Robert Chambers/ Montage: Zuender BILD

Wer im Mittelalter stahl, betrog oder Ehebruch beging, wurde auf dem Marktplatz an den Pranger gestellt. Dort stand er dann für ein paar Stunden und alle sahen, dass er ein Verbrecher war. Heute gehen wir mit Menschen, die gegen Gesetze und Regeln der Gesellschaft verstoßen, vermeintlich humaner um. Sie bekommen einen fairen Prozess und müssen dann ins Gefängnis oder eine Strafe zahlen. Das nennt man Rechtsstaat.

Weil es aber einige gibt, denen dieses System augenscheinlich nicht effizient genug ist, haben Pranger nach wie vor Konjunktur – sei es in Form von Klatsch und Tratsch, oder in der zeitgenössischen Version als Webseite oder Internetforum. Auf Seiten wie Dontdatehimgirl.com stehen die vermeintlichen Deliquenten dann nicht bloß ein paar Stunden lang am Schandpfahl, sondern manchmal für immer. Und das Publikum der öffentlichen Schande ist nicht mehr nur das eigene Dorf, sondern die gesamte Netzöffentlichkeit.

Galerie: Die Prangerseiten im Internet

Besonders erstaunlich: Viele dieser Pranger werden von Behörden betrieben. Aber auch für private Feldzüge bietet das Netz genug Möglichkeiten. Dazu muss man mittlerweile nicht mal eine eigene Webseite anlegen können. Wer seinen Ex-Freund oder den schmierigen Typen bloßstellen will, der Frauen in der U-Bahn anmacht, muss lediglich ein Forum oder ein Blog benutzen können. Hier eine kurze Reise zu den größten Online-Prangern.

Der Keinen-Unterhalt-Zahler-Pranger

„Wir kämpfen gegen Kinderarmut und stellen sicher, dass Eltern, die von ihren Kindern getrennt leben, finanziell zu ihrem Unterhalt beitragen.“ So steht es auf der Webseite der britischen Child Support Agency . Der Agentur stehen dazu viele Mittel zur Verfügung: Lohnpfändung, Zwangsversteigerung, Entzug des Führerscheins, Gefängnis. Das ist auch gut so, denn keinen Unterhalt für sein Kind zu zahlen, ist eine Sauerei. Nach einem neuen Gesetzesbeschluss darf die Agentur jetzt aber noch einen Schritt weiter gehen – und eine Liste der schwarzen Schafe auf ihrer Webseite veröffentlichen. Über hundert allein erziehende Eltern wurden angeschrieben und gefragt, ob sie damit einverstanden sind, dass die Namen ihrer ehemaligen Partner veröffentlicht werden. Die Liste war dann im Sommer einen Monat lang online, wurde aber wieder aus dem Netz genommen. Nach zahlreichen kritischen Artikeln sind der Agentur wohl selbst Zweifel gekommen, ob diese Methode sinnvoll ist.

Der Freier-Pranger