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Ich bin nicht am Ende des Monats pleite, sondern schon am Anfang. Offenbar stimmt es, was mir Eltern, Beziehungspartner und Freunde schon seit Jahren predigen: Ich kann nicht mit Geld umgehen.

Dabei kaufe ich mir selten Größeres. Mein Geld fließt einfach weg, für Zeitungen, Kaffee, Bier. Zum einen hat das mit Gewöhnung zu tun. Wer immer im Soll ist, braucht irgendwann nicht mehr das Gefühl, über der Null-Marke zu sein. Statt ein halbes Jahr lang so eisern zu sparen, dass es weh tut, lebe ich einfach weiter im Dispo und habe mit den Zinsen nur einen weiteren Ausgabeposten. Wie das Handy und die Morgenzeitung muss ich eben auch diese Sorglosigkeit bezahlen.

Ohnehin ist das digitale Geld-Zuweisungs-System viel zu abstrakt für einen feinfühligen Typen wie mich. Früher war der Überlebensplan für die Menschen ganz einfach: Man musste etwas zu Essen bekommen. Dafür konnte man entweder mit jemandem tauschen, der Essen hatte, oder ihn mit einer Keule umhauen. Oder selbst ein Tier erlegen oder eine Pflanze zum Verzehr züchten. Sehr einfach war das.

Heute hat jeder von uns ein Konto, auf dem Zahlen verzeichnet sind. Zu Essen gibt es nur, wenn dort nicht zu viele rote Zahlen stehen. Um die Zahlen schwarz zu machen, muss man etwas tun, das jemand, der viele schwarze Zahlen hat, gut findet. Welcher Mensch mit Sinn für große Emotionen soll sich so etwas in Mark und Blut übergehen lassen? Wie soll das funktionieren, ohne, dass man selbst zu einer Zahl wird, zu einer grauen?