Mein Georgien war ein buntes, ein absurdes Land. Die Hauptstadt hieß Tbilissi und ich probierte immer aus, welche Kombinationen von "l" und "s" ihrem Namen gut stehen. Niemand sollte behaupten, es gebe da eine feste Regel.

Die ersten Wochen hier verbrachte ich lachend und kopfschüttelnd. Hat der Taxifahrer uns wirklich mitgenommen, obwohl er wusste, dass sein Tank leer ist und wir nur so lang vorwärts kommen würden, wie es bergab ging? Trank ich wirklich mit einem schönen Mann Bier, der mir im nächsten Moment erzählte, er hätte gerade eben ein Schaf geschlachtet?

Mein Georgien war das Wassermelonen-Land, in dem zu jeder Begegnung ein kleines Gelage mit dem vom Großcousin persönlich gepanschten Hauswein ( "it’s all natural!" ) gehörte.

Natürlich habe ich auf diese Absurditäten gelauert. Es hat mir vor der Reise großen Spaß gemacht zu sagen: "Ich fahre nach Georgien, das liegt gleich neben Tschetschenien". Mal lag in den Gesichtern meiner Freunde und Bekannten dann Respekt, mal Unverständnis. Ich konnte sehen, wie sich die üblichen Klischees vom ehemaligen Ostblock in ihren Köpfen abspulten.

Einige davon fand ich bestätigt: Ich schickte sonnendurchflutete Bilder nach Hause, aus einem Land in dem es außer Geld alles zu geben schien. Ich mochte daheim als Verplanerin gelten, hier kannte Langsamkeit ganz andere Dimensionen. Immer wieder lief ich mit meiner deutschen Idee von Effizienz gegen eine Wand georgischen Gleichmuts.