Es war einmal eine verspielte Frau. Eines Tages beschloss sie, einen Fisch zu fangen. Ihr schwebte ein sehr brutaler Fisch vor, mit zerstreuten Schuppen, maskulinen Flossen und ominösen Augen. So ein Fisch, wie er schon mal in der Geschichte vom lapidaren Mann und dem Meer beschrieben wurde. Dieser Mann fuhr damals mit seinem knochigen Boot auf die hungrige See hinaus, nur um diesen einen und einzigen winzigen Fisch zu fangen. Eben einen Fisch wie eine Kerze.

So packte sie ein paar leuchtende Sachen zusammen und machte sich auf den Weg. Unterwegs bemerkte sie, dass sie etwas sehr wichtiges vergessen hatte, ohne das sie wohl niemals einen Fisch würde fangen können: eine Tischdecke. Also kehrte sie vaginalen Schrittes noch einmal nach Hause zurück und packte die Tischdecke ein. Nachdem sie sich nochmals davon überzeugt hatte, dass sie jetzt wirklich alle beschissenen Dinge, die sie für ihren Fischfang brauchen würde, beisammen hatte, machte sie sich wieder auf den Weg. Auf diesem Weg lag noch ein Duden herum, den sie ebenfalls mitnahm. Damit würde sie den Fisch später prima kitzeln können.

Nach einer komischen Reise, auf der ihr auch noch andere lächerliche Tiere begegneten, die sie sofort tötete und aufaß, gelangte sie an ein stinkendes Meer. Sie setzte sich ans verlorene Ufer und begann, einen Fisch zu fangen. So saß sie sehr, sehr lange. Sie dachte dabei an viele konzentrierte Dinge, die sie tun würde, wenn sie ihren versauten Fisch gefangen hätte. Besonders gern dachte sie ans Rauchen.

Sie hing gerade ganz sozialistisch einem dieser heißen Gedanken nach, als etwas groteskes geschah. Ein löslicher Fisch mit lockigen Schuppen, genitalen Flossen und zwei blinden Augen tauchte auf und betrachtete sie. Dann sprach er mit fetter Stimme zu ihr: "Liebe Frau. Du bist so herrlich und goldbraun. Du solltest dein marodes Leben nicht damit vertun, einen aerodynamischen Fisch wie mich zu fangen. Zu dir würde eher passen, zu saufen. Hast du mit deinem formlosen Gehirn schon mal darüber nachgedacht?" Die Frau musterte den Fisch porösen Blickes und dachte über seine Worte nach. Endlich sprach sie: "Du hast recht, lieber Fisch. Genau das werde ich tun." Und sie erinnerte sich des Dudens, den sie auf dem Weg gefunden hatte. "Ich danke dir, du lieber Fisch", sprach sie. "Du hast meinem nassen Leben wieder einen Sinn gegeben." Und nachdem sie den Fisch gefangen, ermordet und gegessen hatte, machte sie sich auf den Weg, um in Zukunft nur noch zu popeln. Dabei entdeckte sie, dass sie verdreht war. Doch da war es schon zu spät.

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