Präsident John F. Kennedy ist gescheitert, Präsident Corny Littmann hat gesiegt. Der eine 1961, der andere 2008, der eine in der Schweinebucht, der andere im Millerntor-Stadion. Und, zugegeben, beim ersten ging es um Weltpolitik, beim zweiten nicht mal um einen Fußballpokal.

Als am vergangenen Freitag die kubanische Nationalmannschaft in Hamburg zum Freundschaftsspiel auf den FC St. Pauli traf, fiel es schwer, nicht auch eine politische Dimension in dem Spiel zu erahnen - auch wenn die Veranstalter das anders sahen. "Nein, nein, Fußball und Politik muss man trennen", sagte Reinhold Fanz. Der 54-Jährige war der Ermöglicher der ungewöhnlichen Partie zwischen dem Club aus der zweiten Liga und dem Nationalteam aus der Karibik. Fanz ist ein Deutscher, der nach Stationen bei Hannover 96 und dem Bonner SC seit Anfang des Jahres die kubanische Nationalmannschaft coacht.

Als Trainer steht er vor der Herausforderung, die Mannschaft ohne viel Geld fit zu machen – denn das kommunistische Kuba ist nahezu bankrott, seit die Sowjetunion als finanzstarker Verbündeter nicht mehr existiert. "Man musste fast Angst haben, dass der Flutlichtmast nicht abknickt", berichtet Christian Bönig, der Pressesprecher und Team Manager von St. Pauli, vom Trainingslager auf der Insel. "Die spielen schon unter abenteuerlichen Bedingungen."

Trotz der strukturellen Nachteile in ihrer Heimat sind die Kubaner motiviert – das Ziel ist die Qualifikation zur Fußball-WM 2010. Deshalb interessierte man sich in Kuba für einen deutschen Trainer. Und deshalb ist Fanz mit seinem Team jetzt auf Trainingsreise durch Deutschland.

Bisher waren ausländische Einflüsse in Kuba eher unerwünscht. Seit fünf Jahren habe es zwar keine Hinrichtungen mehr auf Kuba gegeben, doch noch immer sitzen 58 Regimekritiker ohne fairen Prozess im Gefängnis, berichtet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Als staatsschädigend gilt nach kubanischem Recht demnach schon die Kommunikation mit internationalen Menschenrechtsorganisationen und die Teilnahme an Interviews mit amerikanischen Medien.

Einer der juristischen Kniffe, mit dem das Castro-Regime seinen internen Kritikern beikommt ist, diese als "sozial gefährlich" zu deklarieren, heißt es beim "Center for a Free Cuba" in den USA. Gefährlich ist für die kommunistische Staatsmoral demnach wer gewohnheitsmäßig trinkt, Drogen nimmt oder durch Provokation und unangepasstes Verhalten die "Regeln des sozialen Nebeneinanders" verletzt. Mit diesen Regeln ließe sich in St. Pauli der halbe Stadtteil einknasten.

Dort wird die kubanische Fußballdelegation derweil begrüßt – mit offenen Armen und mit allen kleinen Unangepasstheiten des Viertels. Vor der neuen Südtribüne des Millerntor-Stadions dröhnt der Prollhead-Song "Beim FC St. Pauli herrscht Misswirtschaft". Turbojugend-Punks aus Opladen und Mönchengladbach tragen ihre Jeansjacken mit Club-Insignien zur Schau. Die Gewohnheitstrinker sind gewohnheitsmäßig betrunken, die anderen unterwegs dorthin.