Man(n - ächz...) bekommt ja so viel Input in letzter Zeit. Eva Herman hier, ganze Serien bei der ZEIT dort, dazu unzählige Artikel in Lifestyle-, Psychologie- und, na klar, Frauenmagazinen, und alle wollen sie einem sagen, dass die Männer in der Krise sind. Sie repräsentieren das Geschlecht der Vergangenheit, während Frauen das der Zukunft sind.

Auch ich befinde mich seit 39 Jahren auf der Suche, und die aktuelle Debatte bringt mich auch nach eingehender Betrachtung keinen Millimeter weiter. Im Gegenteil, sie verwirrt mich nur noch mehr. Gerade an einem Zeitpunkt, da ich dachte, dass alles, so wie es ist, schon irgendwie in Ordnung geht, kommt es mir vor, als befände ich mich unfreiwillig im Auge eines Genderdiskussion-Hurrikans. Innen drin ist es ruhig, aber wenn ich einen falschen Schritt mache oder das Ding wie schon so oft mal wieder die Richtung ändert, werde ich fortgeweht, einmal mehr zerschmettert an der Klagemauer zerbrochener Beziehungen, weil ich eben doch kein richtiger oder, je nach Zeitgeist, zu sehr Mann bin. Damit will ich jetzt nicht einstimmen in das allgemeine Wehklagen meiner Geschlechtsgenossen, die für sich beschlossen haben, wegen zu anstrengender Diskussionen und Positionierungskrieglein das Opfer zu mimen.

Es gab Zeiten in meinem Leben, da zog ich es als Hardcore-Fußballfan vor, Samstagabend neben meiner Freundin im Bett liegend ´Beverly Hills 90210´ und ´Melrose Place´ zu gucken, während parallel dazu auf einem anderen Kanal eigentlich die ´Sportschau´ bzw. ´ran´ liefen. Einen Besuch im Stadion tauschte ich ein gegen ein gemeinsames Schlendern durch Parfümerien und Mädchen-Anziehsachen-Läden, meine Bayern-München-Bettwäsche wich erst einer weißen und schließlich einer pinkfarbenen mit Schmetterlingen, als Höhepunkt ließ ich mir von meiner Freundin den Nagel des kleinen Zehs rot lackieren, weil sie das süß fand. Das war Mitte der 90er. Da war ich Ende zwanzig und wie so viele in meiner Generation ein Vorreiter dessen, was später mit David Beckham als Vehikel als Metrosexualität Einzug ins gesellschaftliche Leben hielt.

Klar, ich war vorbelastet. Auf der Suche nach Abgrenzung schloss ich mich in meiner Jugend der Wave&Gothic-Bewegung und eben nicht der der Teds/Rockabillys an. Deren Macho-Gehabe fand ich widerlich, da entsprach mir das Haare toupieren, schminken und Behängen mit allerlei Geschmeide schon mehr. Beziehungen gab es in dieser Zeit entsprechend nur mit Wave-Mädchen, die passender Weise ein Faible für scheue, zerbrechliche, gestylte, androgyne Weicheier hatten. Aber irgendwann musste ich mich aus dieser per Optik definierten Schutzzone begeben, ich sah aus wie die meisten anderen Jungs und bekam es mit Mädchen zu tun, die ihr schwaches Haupt auch mal gerne auf eine behaarte Männerbrust betten. Es kam, wie es kommen musste: Serienweise gingen meine Beziehungen in die Brüche, weil ich zu luschig war. Und das ist nicht ausschließlich eine Selbsteinschätzung, sondern auf die Schlussmachgründe meiner Partnerinnen gestützt, die konsequenterweise auch allesamt mit Typen durchbrannten, die, O-Ton, "auch mal ein Arschloch" oder eben "ein richtiger Mann" sein konnten. Nachdem mir zum dritten Mal nacheinander so etwas widerfahren war, war ich fast reif für eine Therapie, weil ich dachte, dass ich aus irgendwelchen Gründen offenbar niemals in der Lage sein würde, eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen. Doch statt in psychologische Betreuung, flüchtete ich mich in hedonistische Phasen, in denen ich, natürlich nur zu Forschungszwecken, die konsequente Arschlochnummer fuhr. Da ich aber a) nicht so gerne Arschloch bin und b) überdies ein Beziehungsmensch, versuch(t)e ich stets aufs Neue, meine neu gewonnen Kenntnisse und Erfahrungen in die jeweils folgende Partnerschaft einfließen zu lassen.

Und jetzt, da ich das erste Mal in meinem Leben das Gefühl habe, das Ganze auch so hinzubekommen, wie ich mir das immer vorgestellt habe und wie es mich hoffentlich vor dem leidlich bekannten Ende schützt, da ich dachte, dass alle, Männer wie Frauen, die heutige Zeit endlich als eine des Übergangs begriffen haben und sich entsprechend tolerant verhalten, wird die Debatte mit markigen Sprüchen wie ´Frauen sind die Männer von morgen´ wieder neu entfacht. Dabei war ich als Mann doch schon mal die Frau von morgen.