Meine Organe sind allesamt Topware. Na ja, sagen wir zumindest gute B-Ware. Mein Herz ist kein Sportlerherz, schlägt aber ansonsten recht flott und regelmäßig, meine Lungen sind durchs Rauchen ein bisschen geteert, dennoch gab es stets prima Werte bei der Funktionsprüfung, meine Leber könnte vielleicht etwas weniger Alkohol vertragen und meine Nieren freuen sich über wenig Gift und viel Spargel. Insofern kann manmit dem Zeug wirklich was anfangen, deswegen habe ich mir auch vor ein paar Jahren einen Organspendeausweis mit der Einwilligung zur Entnahme aller Ersatzteile zugelegt.

Darüber hinaus engagiere ich mich auch beim Verein "Junge Helden", einer Initiative, die es sich auf die Fahne geschrieben hat, über das Thema Organspende zu informieren und gerade junge Menschen davon zu überzeugen, dass so ein Organspendeausweis nicht das Schlechteste ist. Man kommt nach dem Tod nämlich auch ohne Organe in den Himmel. Außerdem braucht man die da sowieso nicht, wie man hört. Was läge also näher, als einem Dritten die Sachen auf der Erde zu hinterlassen, auf dass damit seine Reise in die ewigen Jagdgründe aufgeschoben würde?

Deutschland ist in Sachen Organspende noch ziemlich hinter dem Mond. In Ländern wie Österreich, Polen, Portugal und Spanien geschieht dies automatisch, wenn man zu Lebzeiten nicht ausdrücklich dagegen widerspricht. In Deutschland muss man dagegen zu Lebzeiten seine Zustimmung erteilen, sonst passiert da nichts. Das hat zur Folge, dass in Spanien auf eine Million Einwohner 34 Organspender, in Deutschland nur 12 kommen. Die Wartelisten sind hierzulande noch länger als sonst wo, dabei könnten so viele Leben mehr gerettet werden. Eigentlich finden weite Teile der Bevölkerung in Deutschland Organspende eigentlich ganz gut, einen Spenderausweis haben allerdings die wenigsten. Klar, viele haben keine Lust, sich zu Lebzeiten ernsthaft mit dem Thema Tod auseinander zu setzen, oftmals weiß man aber auch einfach zu wenig über das Ganze, schließlich wird ja kaum darüber geredet. Genau da setzt "Junge Helden" an, und das gerne mal auf unkonventionelle Weise und all dem üblichen Betroffenheitsballast.

Gestern war Party in Berlin. Ein Club wurde angemietet, und zusätzlich zum normalen Personal arbeiteten an der Tür, der Kasse, der Bar und den Plattentellern Leute wie Til Schweiger, Jasmin Gerat, Nora Tschirner, Loretta Stern, Jennifer Ulrich, Die Happy, Lexy&K-Paul und die Beatsteaks. Meine Wenigkeit mimte den Benefizbarboy. Sonst stehe ich nur vor der Theke, und seit gestern habe ich vollstes Verständnis dafür, wenn es dahinter mal ein bisschen länger dauert. Man hat ja permanent was zu tun: Bestellung aufnehmen, eine von Angesicht zu Angesicht, dazu die beiden von links und rechts reingebrüllten, Drinks machen, kassieren (Kopfrechnen!), für Getränke-, Eis-, Gläser- und Kleingeldnachschub sorgen, Finger an kaputten Gläsern aufschneiden und anschließend Zitronen anfassen, sich auf dem glatten Boden fast auf die Fresse legen, eine rauchen und den Gästen ständig erklären, was es gibt und was es nicht gibt und wie viel das kostet, was es gibt.

Erschwert wurde letzteres durch den Umstand, dass die Leute entweder bar oder mit der Karte des Clubs bezahlen konnten. Bar bedeutete: Das Geld ist automatisch eine Spende. Karte bedeutete, dass das Geld der Club bekam. Klingt komisch, ist es auch, war aber nicht anders zu regeln. Die Sache wurde zusätzlich dadurch verkompliziert, dass neben mir ein Barmann des Clubs arbeitete. Irgendwann hab ich die umständliche Erklärung weggelassen und zu jedem Gast (nach seiner Bestellung) gesagt: Bei mir nur Barzahlung. Den Leuten war´s eh egal. Wie in Berlin üblich, wusste ein nicht geringer Teil der Anwesenden sowieso mal wieder nicht, worum es überhaupt geht, ist halt ´ne Party, zu der jeder rennt, und da ist man dann auch schon gegen Mitternacht so hacke, dass man sich mit lästigen bar/unbar Problemchen nicht aufhalten will. Woran ich nicht ganz unschuldig war, weil mich dieses 4cl-Abgemesse bei Longdrinks schnell langweilte. Eigentlich läuft es so, dass man das Glas mit Eis zu drei Vierteln voll macht, dann vier Sekunden lang (also schön 21-22-23-24 zählen) den Alk reinkippt und anschließend mit Limo auffüllt. Bei meiner Auge-mal-Pi-Version ist mir des Öfteren die Wodkaflasche schon mal ausgerutscht.