Ich bin ja schon ein bisschen älter. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass in meinem Bekanntenkreis die Leute heiraten wie die Fliegen. Ich war da auch mal ziemlich fixiert darauf, das hat sich mittlerweile aus verschiedenen Gründen allerdings gelegt. Früher war ich sehr angetan von der romantischen Komponente einer Heirat, weswegen ich auch ein richtiger Diplomverlober war. Zweieinhalb Eheversprechen stehen auf dem Konto, doch sie sind weit weg, fast scheint es, als wären sie aus einem anderen Leben. Einzig die Erkenntnis, dass Verlobungen offenbar auch nicht mehr das sind, was sie mal waren, hat sich in die Jetztzeit rübergerettet.

Aufgrund meiner Erziehung war ich der Ansicht, dass man, wenn man mal eine gewisse Zeit miteinander verbracht hat, auch da bleibt. Ich machte also meiner ersten richtigen Freundin nach zwei Jahren glücklichen Zusammenseins so eine Art Antrag. Silvester 1989 fragte sich sie: "Sollen wir heiraten?" Sie sagte: "Au ja!" Ich steckte ihr einen Ring aus dem Kaugummikasten an, wir küssten uns und gingen wieder zurück auf die Party. Wir waren beide Anfang 20 und fanden die Aktion gleichermaßen romantisch und unserem Alter entsprechend crazy genug, um nicht allzu sehr ins spießbürgerliche Fahrwasser zu geraten. Dass wir jetzt so ein bisschen verlobt waren, haben wir schnell vergessen, und obwohl wir noch weitere viereinhalb Jahre zusammen sein sollten, wurde von einer tatsächlichen Hochzeit nie gesprochen.

Ähnlich war es bei Verlobung Nummer zwei. Ein paar Jahre älter und ein paar Mark reicher, schaffte ich es diesmal sogar, einen amtlichen Ring aufzutreiben. Aus Silber, innen rein waren in rot die Worte ´For the Lovers´ graviert, zum Einsatz kam das Ding nach einem Jahr Beziehung. Das Mädchen ahnte wohl, was ihr blühte, denn ich buchte spontan einen Wochenendtrip nach Rom, schickes Hotel, romantisches Abendessen, danach auf die Stufen einer Kirche gesetzt und zu ihr gesagt: "Ich fände es super, wenn wir für immer zusammen bleiben würden." Ich holte den Ring raus, das Mädchen fing an zu weinen und meinte: "Ich auch." Nicht mal ein halbes Jahr später blieb auch in diesem Fall leider festzustellen: Außer Spesen nichts gewesen.

Na ja, vielleicht war der Ring ja auch immer noch zu billig, beim nächsten Mal musste also ein richtiger Klunker her. Wieder mal war ich sehr verliebt, und ich war an jenem wunderschönen Frühlingstag geschäftlich in New York. Aus dem Central Park spazierte ich mit Sonne im Herzen direkt in die 5th Avenue, in der ich dann wie gebannt vor dem Schaufenster von Tiffany stehen blieb. ´Frühstück bei Tiffany´ war immer schon einer meiner Lieblingsfilme gewesen, und so war es für mich gleich in mehrerlei Hinsicht aufregend, plötzlich vor dem weltberühmten ´Diamond Case´ zu stehen, schier geblendet von der Strahlkraft einiger hundert Karat. Ein Solitaire-Diamant-Verlobungsring von Tiffany, amtlicher geht´s nicht! Hier! Der da! Ein wunderschöner Stein in Goldfassung! Was kostet der? 75.000 Dollar. Autsch. Na ja, ein kleinerer Stein tut´s auch. Der da? Ui, immer noch 10.000? Was kostet der, sagen wir mal, zweitkleinste Stein? 1.500 Dollar. Alles klar, kauf ich. Und so bestieg ich mit immer noch qualmender Kreditkarte, aber auch glücklich und voller Vorfreude den Flieger nach Hause. Sie holte mich am Flughafen ab. Während meiner Abwesenheit hatte sie was mit einem anderen Typen, noch im Auto wurde Schluss gemacht.

Den Ring schenkte ich meiner Mutter zu ihrem 60. Geburtstag. Sie weiß um seinen ursprünglichen Zweck, findet das aber nicht weiter tragisch und trägt ihn deswegen stolz bei besonderen Anlässen. Ist ja auch wirklich ein sehr schöner und wertvoller Ring, den ich, und das ist auch klar, nicht für das nächste Zielobjekt meiner Verlobungsobsession bunkern konnte. Das es seitdem auch nicht gab. Denn wenn ich eins gelernt habe, dann das, dass Verlobungen das Papier nicht wert sind, auf dem sie nicht gedruckt sind. Gegenseitiges Eheversprechen… pah!