Ich habe mir zu meinem 40. Geburtstag einen iPod gewünscht. Und weil ich ja schon recht alt bin und in den vielen Jahren meines Daseins einige Platten angehäuft habe, sollte es auch gleich der ganz große mit 80 GB sein, damit möglichst viel drauf passt.

Jetzt, drei Monate später, bin ich bei 1023 Songs und bekomme das Ding ums Verrecken nicht voller. Wenn ich das jetzt mal so grob überreiße, befinden sich auf den von mir gehorteten Tonträgern etwa 50.000 Tracks, aber offensichtlich finde ich davon nur jeden fünfzigsten (noch) gut, und selbst bei denen ist es schon so, dass ich im Shuffle-Modus bei mindestens der Hälfte der Stücke genervt weiter drücke.

Sehr ernüchternd, das, aber ein eindeutiger Beleg dafür, dass ich mich zunehmend schwer damit tue, Musik zu finden, die mich berührt, begeistert, bewegt. Musik, die ich nicht einfach nur höre, weil sie okay ist und weil sie ein bisschen so klingt wie andere Sachen, die ich gut finde, sondern mich inspiriert und glücklich macht.

Musik war immer eines der wichtigsten Dinge in meinem Leben. Mit zehn kaufte ich mir meine erste Platte, und seitdem war der Gang zum Laden stets aufregend und besonders. Selbst die Tatsache, dass ich seit über zwanzig Jahren Musikjournalist bin, vermochte nicht, mir dieses Vergnügen madig zu machen. Klar wurde man gerade in den 90ern, als es den Plattenfirmen noch so richtig gut ging, mit Promo-CDs zugeschissen, aber trotz des übergroßen Inputs nahm ich nie davon Abstand, mir Musik, die mir etwas gibt, sofern erhältlich, auf Vinyl zuzulegen und lieb zu haben.

Und ich habe immer etwas gefunden, das neu und aufregend und anders war. Mich auf einen Stil festzulegen, war nie mein Ding. Ich habe zudem Musik seit jeher als Kunst im Fluss begriffen, weswegen es grundsätzlich ausfiel, in vermeintlicher Ermangelung spannender neuer Acts auf alten Kram aus den 80ern zurück zu greifen, jener musikalischen Epoche, die mich gewiss am meisten prägte.