* 1994-1997
Die Britpop-, TripHop- und Drum´n´Bass-Jahre, oder anders: England! In dieser Zeit erscheinen ein paar meiner Lieblingsalben. Platten, die ich heute noch regelmäßig höre, u.a. ´Urban Hymns´ von The Verve, ´OK Computer´ von Radiohead, ´(What´s The Story) Morning Glory? von Oasis, ´Everything Must Go´ von den Manic Street Preachers, ´Ladies and Gentlemen We´re Floating In Space´ von Spiritualized, ´Dummy´ von Portishead und ´Blue Lines´ von Massive Attack. Aufenthalte in Clubs kommen einem Zirkeltraining gleich, da ich den Ehrgeiz entwickle, bei Drum´n´Bass auf den Beat und nicht auf die Bassline zu tanzen. Am besten finde ich die düsteren Sachen von No-U-Turn und Metalheadz. Musik, die nicht dein Freund sein will und deswegen umso mehr Spaß macht.

* 1998-2006
Die Minimal-Techno-Jahre, garniert mit einigen wenigen handverlesenen Gitarrenstücken. Drum´n´Bass ging so schnell, wie er kam und wird zügig abgelöst von der 4/4-Bassdrum, was sicherlich begünstigt wird durch meinen Umzug von München nach Köln, der damaligen Minimal-Hauptstadt. Ich hänge jeden Freitag bei ´Total Confusion´, dem Partyabend der Kompakt-Blase im Studio 672 rum und lass auch sonst kaum eine Techno-Party aus. Ich merke, wie mir Gitarrenmusik offenbar 20 Jahre lang die Gehörgänge verschlackt hat und sehne mich nach auf das Nötigste reduzierter Musik. Ich mag auch keine Vocals mehr, weil ich es nicht mehr ertrage, ständig was vorgesungen zu bekommen. Stattdessen genieße ich es, die minimalen Musikfragmente selbst mit Bildern, Interpretationen und Geschichten anzureichern. Pro Monat schafft es im Schnitt nur noch eine Gitarrenplatte, mich umzuhauen. Die jeweils ersten Alben von The Strokes, Maximo Park, Kaiser Chiefs, The Killers, Bloc Party, Editors, Feist, Arctic Monkeys, Franz Ferdinand, Interpol usw. finde ich bombe, die Nachfolger schocken alle schon nicht mehr so richtig. Da halte ich es dann doch eher mit Hot Chip, Junior Boys, Erlend Oye, Zoot Woman, Air, The Streets, Chemical Brothers, Underworld, Boards Of Canada und anderem Electronic Listening-Zeugs oder verlässlichen Helden wie Nick Cave, Johnny Cash, Blumfeld, Tocotronic, Mazzy Star und Depeche Mode.

* 2007
Ich möchte nicht soweit gehen und sagen, dass sogar Minimal Techno mich langsam langweilt, aber irgendwann geht´s einfach nicht noch minimaler, weswegen jetzt auch mal wieder gerne Chords, Flächen, Melodien und sogar vereinzelte Vocals in den Tracks auftauchen dürfen. Es gibt in diesem Jahr noch keine einzige Rock-Platte, die mich richtig weggeblasen hätte. Klar finde ich einige sehr gut, aber sie bescheren mir lange nicht mehr solche Glücksmomente, wie Gitarrenmusik das schon mal vermochte. Ich habe auch kein Bedürfnis, die alten Platten wieder rauszuziehen. Musikalischer Historismus war nie meins, aber irgendwas muss jetzt passieren.

Oder bin ich jetzt in dem Alter, in dem man anfängt, Jazz oder Klassik zu hören?

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