Die letzten zwei Jahre war es im Sommer so schön ruhig in Berlin. Man konnte Mitte Juli durch den Tiergarten flanieren, ohne das Gefühl zu haben, man wate durch einen Pumakäfig. Auch sonst hingen nirgendwo in der Stadt Leute mit komischen Anziehsachen, absurden Frisuren, Trillerpfeifen und geöffneten Opel Corsa-Heckklappen, aus denen 140bpm-Trance ballerte, herum. Doch die Beschaulichkeit findet jetzt ein jähes Ende, denn die Love Parade ist zurück.

Andererseits weiß man, seitdem Dr. Motte deswegen nun wieder auf der Bildfläche erschienen ist, was man vermisst hat. Als Großmeister der Dialektik hat er es mit seinen Abschlussreden an der Siegessäule zu Kultstatus gebracht, und auch auf der Pressekonferenz zur Paraden-Auferstehung sparte er nicht mit Bonmots. Ein "Hochgefühl getanzter Lebensfreude" sei zu erwarten, alle werden sich "im ewigen Moment tanzend wiederfinden" und "Kontakt mit ihren Vorfahren aufnehmen, die schon im gleichen Rhythmus tanzten". Wunderbar. Und damit derlei von den Ravern auch ungetrübt wahrgenommen wird, begleitet die Parade in diesem Jahr das Motto "Drogen sind uncool". Ja, nee, is´ klar, die Milch macht´s...

Interessant ist auch, woher der Zaster kommt, denn an dem war´s ja 2004 und 2005 gescheitert. Rainer Schaller, ein Fitnessstudio-Mogul aus dem Süddeutschen, der im Jahr mit seinen ´McFit´-Muckibuden angeblich 63 Millionen Euro Umsatz macht, will davon mindestens eine Million abzwacken. Somit fehlen nur noch ca. 1,5 Millionen, um die kalkulierten Kosten zu decken. Wenn sich dafür nicht andere Sponsoren finden, greift Schaller noch mal in die Schatulle. Natürlich nicht nur aus Idealismus und Nächstenliebe. "Wir versprechen uns Synergien davon", meint er und spricht von der geplanten Europa-Ausweitung seines bislang aus 56 Filialen bestehenden Konzerns. Dabei sollen der international bekannte Name Loveparade und die Bilder tanzender, gestählter Halbnackter aus Berlin helfen. Zudem fahren zwei Umzugswagen unter dem ´McFit´-Banner, einer grinsenden Banane.

Ansonsten soll es diesmal etwas basisdemokratischer zugehen. DJs aus aller Welt können sich mit einer Hörprobe bewerben, eine Jury aus Experten sowie die User einen neu geschaffenen Internetplattform entscheiden dann, wer auflegen darf. Schöne Idee, die sich offenbar aber noch nicht bis zu Dr. Motte rumgesprochen hat, aber vielleicht hat er ja nur aus alter Gewohnheit auf der PK wissen lassen, dass er persönlich "wieder tolle DJs" aussucht. Mut macht allerdings in der Tat der Ansatz, alle Spielarten elektronischer Musik dabei haben zu wollen. Genau das war nämlich ein Problem in den letzten Jahren. Kennste einen Wagen, kennste alle. Und alle waren scheiße. Lediglich an der Siegessäule sowie auf den die Parade begleitenden Clubpartys gab´s mal was anderes als übles Großraumdissengewummer.

Auf der Pressekonferenz trug Dr. Motte ein Shirt mit der Aufschrift ´No Risk No Fun´. Spaß hatte er in den letzten zwei Jahren definitv keinen. Jetzt ist dieser zurück, weil das Risiko nun nicht größer ist als jenes, auf einer Bananenschale auszurutschen.