Ich war ja letzte Woche mal kurz Urlaub machen auf Teneriffa. Am einem Tag waren meine Freundin und ich schon recht früh am Strand. Morgens um zehn hat man den noch ziemlich für sich alleine. Zwei Stunden später versteht man allerdings kaum mehr sein eigenes Wort. Da sind dann nämlich zwanzig Familien mit gefühlten einhundert Kindern um einen herum. Mit einem Nickerchen ist´s dann nichts mehr, es sei denn, man lässt sich nicht stören durch gellendes Geschrei oder eine fehlgeleitete Schaufel Sand, die einem in der Fresse landet. Tut man aber, weswegen man notgedrungen anfängt, die kleinen Racker zu beobachten. Süß zum Beispiel das Baby, das ALLES, was sich in Reichweite befindet, in den Mund nimmt. Das Baby sitzt im Sand. Eher anstrengend das etwa 8jährige Prinzeschen, das kreischend vor den Wellen Ausreiß nimmt und ständig ihr langes Haar schüttelt. Weiter vorne zwei Kids aus England. Auf die bin ich richtig neidisch, weil sie so verschärfte Umkleideumhänge haben. Sind wie so ein längerer Poncho geschnitten, also an der Seite offen, und mit irren Kapuzen. Des Mädchens Kopf ist eine Rose, der des Jungens ein Haifischmaul, noch dazu mit eine Flosse aufm Kopf.

Und wenn man sie dann so beäugt, die süßen Kleinen, dann fällt einem schnell wieder ein, dass man jetzt allmählich auch mal für Nachwuchs sorgen sollte, weil andernfalls wird das nichts mit der Rente. Via BILD-Zeitung, die offenbar besorgt um den Fortbestand ihrer Leserschaft ist, durften neulich Politiker und Wirtschaftswissenschaftler wissen lassen, dass Kinderlose nie ins Rentensystem aufgenommen hätten werden dürfen, weil es nur funktioniert, wenn es von nachfolgenden Generationen finanziert wird. Also: Renten für Kinderlose kürzen oder deren Beiträge erhöhen. Tatsache ist, dass Deutschland, nur noch unterboten vom, ähem, Vatikan, mit der weltweit niedrigsten Geburtenrate zu kämpfen hat. Statistisch gesehen bringt eine Frau nur 1,36 Kinder zur Welt. Für eine stabile Bevölkerungszahl und damit auch ein funktionierendes Rentensystem wären 2,1 notwendig.

Warum bin ich eigentlich noch nicht Papa? Weiß ich ehrlich gesagt gar nicht so genau. Grundsätzlich vor hab ich das nämlich schon, hat sich aber irgendwie nur noch nicht ergeben. Will jetzt nichts faseln von wegen "auf den richtigen Zeitpunkt warten", weil wann ist ein Zeitpunkt zum Kinderkriegen schon falsch oder richtig, im Zweifelsfall heißt es eh immer: später. Meine Priorität im Leben ist es nach wie vor, in einer Beziehung glücklich zu sein. Offenbar war ich das bis dato noch nicht lange genug, als dass daraus ein Kind hätte entstehen können. War nie ein Thema, weswegen ich mir auch noch keine Gedanken darüber gemacht habe, wie es denn so wäre, ein Kind in - Achtung - "diese Welt" und damit natürlich auch in "meine Welt" zu setzen. Vermutlich wär´s nicht anders als in anderen Welten auch. Vielleicht habe ich auch über all den anderen Dingen einfach vergessen, Vater zu werden. Nach der Schule erst mal studieren, dann arbeiten, Beziehungen führen, Beziehungen beenden lassen, 10 mal umziehen und die Stadt wechseln, Job wechseln, dies und das und schwupps biste 38. Andererseits kann man ja schlecht in seinen Organizer eintragen: "Kind zeugen! Erneut erinnern in 1/2/5/10 Jahren?" Wahrscheinlich kann ich auch noch nicht mal was dafür, denn wenn ich es richtig interpretiere, hält FAZ-Herausgeber und Buchautor Frank Schirrmacher schützend die Hand über mich, wenn er feststellt, dass meine Generation (born in the sixties) "umprogrammiert" wurde. Fehlgeleitete materielle Schlüsselreize hätten in die menschliche Biologie eingegriffen. Wir hätten vergessen, worum es beim Leben und Überleben eigentlich geht, nämlich Familie und Kinder.

Jetzt weiß ich´s wieder. Mal sehen, was sich da machen lässt. Aber: Nein, ich hab die Eltern der englischen Kids nicht gefragt, wo sie die Umhänge gekauft haben. Ein andermal. Später.

Markus Kavka