Erst kommt das Schleifen, und es fühlt sich so an, als würde jemand meine Zähne abfeilen. Dann kommt das Klopfen, und es fühlt sich so an, als würde jemand auf meiner Schädeldecke rumhämmern. Danach unterhalten sie sich, die beiden Fassadenrestaurateure vor meinem Fenster. Ihre Stimmen werden verstärkt durch den Resonanzraum Innenhof, und es fühlt sich so an, als würden sie plappernd direkt neben meinem Bett stehen. Es ist 7.47 Uhr morgens, und einmal mehr beschleicht einen das Gefühl, dass Handwerker unbedingt noch vor 9 Uhr alle Werkzeuge ausprobieren, die Getöse verursachen, danach gibt´s Brotzeit. Eigentlich müsste ich erst in einer Dreiviertelstunde aufstehen, doch meine Freundin und ich liegen schon längst hellwach im Bett. Drei Meter trennen uns von den lärmenden Männern, die nicht viel Phantasie brauchen, um sich ausmalen zu können, dass sie stören. Sie sind ganz klar zu sehen, weil die Vorhänge hell und nicht besonders dick sind. Ob sie uns auch sehen können? Vorsichtshalber wickelt meine Freundin sich in eine Decke und huscht ins Bad. Ich verstecke mich derweil unter dem Kissen. Als ich schließlich auch angezogen aus dem Bad trete, geh ich entschlossen zum Fenster und ziehe den Vorhang zur Seite. Der Mann auf seinem Gerüst steht genau vor mir. Ich sage "Guten Morgen!", er auch. Wir fahren zur Arbeit und er kann jetzt die ganze Zeit ungestört in meine Wohnung gucken.

Aber Handwerker VOR der Wohnung sind natürlich noch um einiges angenehmer als Handwerker IN der Wohnung, denn dadurch entfällt der ganze Sozialterror.

Es beginnt schon mit dem Klingeln. Handwerker geben gerne ein üppiges Zeitfenster für ihren Besuch an, "so zwischen acht und zwölf" etwa. Entweder klingelt es dann viertel vor acht, wenn man noch unter der Dusche steht, oder aber um viertel nach zwölf, wenn man als komplettes Nervenbündel - mürbe gemacht durch stundenlange Warterei - den halben Tag, den man sich dafür freigenommen hatte, zu beenden gedenkt.

Und was macht man, nachdem man den Öffner gedrückt hat? Stellt man sich höflich ins Treppenhaus und wartet? Könnte zu aufdringlich wirken, so von wegen "Da sind Sie ja endlich!". Oder lehnt man die Tür an und lässt eintreten? Könnte zu desinteressiert und arrogant erscheinen. Bei mir ist es so, dass ich die Handwerker am Aufzug einsammeln MUSS, weil das Gängesystem in meinem Haus sich von dort aus so verzweigt, dass sie mich sonst nicht finden würden. Denke ich, denken aber offenbar nicht die Handwerker, die dann immer etwas irritiert ob des Abholkommandos gucken.

Schließlich steht der Mann in der Wohnung, und sogleich stellt sich die nächste Frage: "Kaffee? Schnittchen?" Bis heute habe ich nicht in Erfahrung bringen können, ob dies erwartet wird. Hängt wohl auch davon ab, wie lange der Handwerker in der Wohnung ist. Aber das weiß man ja im seltensten Fall vorher. Und wie sieht´s aus mit Smalltalk? Meine Wohnung ist ein Raum ohne Zwischenwände, nur das Bad ist abgetrennt. Mich dorthin zu verziehen, ist auch albern, also tu ich beschäftigt und sortiere meistens irgendwelchen Bürokram von A nach B um. Ganz abhauen fällt aus, weil man ja für eventuelle Zwischenfragen zur Verfügung stehen muss.