Two Gallants ist der neueste Streich vom Indie-Kult-Label "Saddle Creek" aus Omaha – zwei Jungs aus San Francisco mixen Country mit Punk und erzählen dabei Geschichten in William-Faulkner-Manier – nur etwas rotziger und dreckiger. Es geht um Ehefrauen, deren Leichen in der San-Francisco-Bay versenkt werden, um Gefängnisaufenthalte und Einsamkeit. Dass Sänger Stephens ein großer Geschichtenerzähler sein muss, lässt sich schon am Namen der Band erkennen. Diesen hat sich das Duo von einer James-Joyce-Story entliehen – und angeblich spiegelt diese die ungleiche Beziehung von Stephens und Vogel wider: Stephens steht am Mikrofon im Rampenlicht, während sich Vogel mit seinen langen Haaren hinter dem Schlagzeug versteckt. Doch sind Stephens und Vogel nicht nur seit der High School die besten Freunde, auch sind sie das perfekte musikalische Paar: Obwohl sie nur zu zweit sind, fehlt da kein Bass und auch kein anderes Instrument. Und obwohl ihre Songs sich zwar ziemlich schräg anhören und sich an der Grenze zum schlechten Geschmack vor der Passkontrolle angestellt haben, übertreten sie doch nie die Linie. Deshalb ist „What the Toll tells“ ein fast perfektes Album. Two Gallants klingen wild und jung und unverdorben – und doch klingt in jedem Song die Weisheit eines alten Mannes durch. Stephens Stimme wechselt zwischen der Frechheit eines schlecht erzogenen Rotzbengels und der flehenden Bitte eines Verlassenen. Absolutes Highlight des Albums ist mit seinem ungewöhnlichen Gitarre/Schlagzeug-Arrangement und dem leichten Punkeinschlag der Opener „Las Cruces Jail“; und Songs wie „Steady rollin’“ oder „The prodigal Son“ bestechen mit der unverdorbenen Schönheit eines einfachen Country-Songs, der voller Wut hervorgestoßen wird. Würde Faulkner heute noch leben, würde er wohl bei Two Gallants spielen.

Two Gallants, „What the Toll tells“ (Saddle Creek)