Zumindest geht so die selbstausgedachte Legende der Bandgründung: Unter Eindruck der Geiselnahme in der Nachbarschaft habe man eben Musik machen müssen. Die Musik selbst lässt sich diesen Hintergrund nicht anmerken. Oder doch: Vielleicht wollen die vier Jungs mit solchen Dönekes ihre Arbeiterklassenherkunft betonen – Oasis-Britpop und die angry young men lassen grüßen. Dabei wäre das nicht nötig, man hört es sowieso. Feingefühl beweisen The Infadels jedenfalls nicht. Beim ersten Hören von "We are not the Infadels" muss man unweigerlich an The Faint und Radio 4 denken. Fresh! Hip! Credible! Schon der Opener macht Hoffnung auf Großes: zweistimmiger Gesang und melodiöses Keyboard-Gequietsche – das hört man gern. Doch bald zeigt sich: Was bei The Faint sexy und chic wirkt, verliert sich hier schnell im Lauen. Zunächst fällt man noch rein auf die Soundscapes à la Beastie Boys, doch rasch erscheinen die dann einfallslos und abgekupfert. Und dann ist da noch das Ska-Gebolze, das sich ab "TopBoy" in den Vordergrund schiebt und erst langsam, dann aber immer schneller nervt. Vielleicht ist Diskopunk einfach nichts für Jungs aus Hackney. Vielleicht sind das aber auch nur die Anfangschwierigkeiten einer sich noch entwickelnden Band. Könnte also sein, dass die Jungs ihr aufgesetztes Working-Class-Gehabe einstellen, Sänger Bnann sich Haare wachsen lässt und sich vom Ska-Image entfernt und The Infadels daraufhin Großes vollbringen – ein "the" vor dem Namen haben sie immerhin schon.
The Infadels, "We Are Not the Infadels", (Wall of Sound / Rough Trade)