Als Musikerin kann man Ursula Rucker kaum mehr bezeichnen. Ihre Plattenfirma empfiehlt die Bezeichnung "Songpoetin", denn schließlich sei Rucker eine Dichterin, die ihre Lyrik mit Musik unterlege. Welche Musik das sein mag, entscheidet sich von Fall zu Fall. Mal werden die Poeme dem Rhythmus afrikanischer Trommeln unterworfen ("Liberations"), mal von Bar-Jazz umschmeichelt ("Black Erotica", "Uh Uh") oder von Dance befeuert ("Rant [Hot In Here]"). Rucker geht es um Inhalte, alles andere ist zweitrangig. Bei "Church Party" muss es dann auch mal ganz ohne Musik gehen. Ist es Rap? Ist es Sprechgesang? Oder sollte man besser "Rezitativ" zu all dem sagen? Rucker wird’s egal sein. Der Kampf gegen gesellschaftliche Missstände ist bedeutsamer als jedes Benennungsproblem. In ihren Worten schwingen die Einflüsse weiblicher Ikonen schwarzer Lyrik wie Audre Lorde und Zora Neale Hurston (die beide auch auf ihrem Album erwähnt werden) mit. Auch Toni Morrison hört man heraus. Wie all diese Frauen sagt Ursula Rucker, was sie denkt, was sie als Mutter von vier schwarzen Jungs im Amerika von heute bewegt. Und niemals verliert sie sich dabei in der Musik, immer liegt der Fokus auf der Poetry, auf Schlagwörtern und politischen Themen. "Ich muss mich einfach mit echten Problemen auseinandersetzen", sagt sie. Wenn das jeder machen würde! Vermutlich wäre die Welt dann ein einziges Gedicht.
Ursula Rucker, "Ma’at Mama"(!K7)