Doch die Realität sieht anders aus. Das meiste auf der Platte erweckt allenfalls Achselzucken. Track für Track wird das „Guero“-Material abgearbeitet wie eine lästige Hausaufgabe. Die Gesangsspuren bleiben weitgehend unangetastet. Auf die häuft dann eben jeder ein paar Schnipsel aus seiner Sound-Kollektion: je nach Geschmack eher ein paar Banjos, Fiedeln und Hörner (Homelife, Islands), Breakbeats und Delay-Scratchereien (Adrock, Mario C, el-p) oder trashige C64-Artefakte (8bit). Ein paar Tracks fallen immerhin ein wenig aus dem Rahmen. Die von Air und Boards of Canada vor allem deshalb, weil sie besonders ungerührt von den Songvorlagen ihr jeweiliges Ding durchziehen: den üblichen ironisch flauschigen Breitwandpop bei den einen, die gewohnt tranig verträumten Dubscapes bei den anderen. Beck hätten sie dazu nicht gebraucht. Analytischer gehen Th' Corn Gangg und der Dust Brother John King vor. In ihren Neuvermischungen von „Emergency Exit“ und „Rental Car“ legen sie vom Jodeln bis zu Eurodisco Schicht um Schicht trashige Popsünden aus mehreren Jahrhunderten frei. Überraschend ist das nicht, klingt aber immerhin ganz lustig. Ein gut nacherzählter Witz kann ja auch Freude machen. Eine echte Konfrontation wagt aber nur die Anticon-Posse. Ihre Entgegnung auf „Farewell Ride“ überragt das beschauliche Mittelmaß bei weitem: Eingebettet in episch-cartoonesk holpernde Sample-Kavalkaden tritt darin der irrwitzige Singsang-Rap von Doseone und Jel in einen erfrischenden Dialog mit Becks charmanter Netter-Junge-Macht-Auf-Altherren-Blues-Nummer. Solche Momente machen „Guerolito“ dann doch immerhin noch zu einem brauchbaren Fanartikel.

Beck, „Guerolito“ (Interscope / Universal)