"Schlampenfieber", "Kuss der Diebe" – im Erfinden von ollen Wortspielen waren Rosenstolz schon immer ganz weit vorne. Die zweite Hälfte der Neunziger musste man ihnen nichtsdestotrotz zugute halten, dass die sexuell nicht wenig aufdringlichen Texte ("Mittwoch is er fällig") ihnen zu einer – pardon – Sonderstellung verhalfen: Schwuler Keyboarder und singende Hete mit Mut zur Devianz sprechen das aus, was im Swingerclub häufig gedacht wird, aber wegen der dort gültigen "Alles kann, nichts muss"-Maxime nicht artikuliert werden kann. Dunkel war’s in den Texten, wenn der Mond helle schien, und das Geschlechtliche ins Bizarre kippte. Peter Plate und Anna R. (die üblicherweise auf einem albernen Großbuchstaben in der Mitte ihres Vornamens besteht) haben ihre wilden Jahre hinter sich. Unter ungezwungenen Begegnungen verstehen sie inzwischen Termine mit ihrem Steuerberater. Sie haben sich von der fragwürdigen Romantik verabschiedet und sind endgültig dem noch fragwürdigeren Kitsch anheimgefallen. Die geistige Ödnis und emotionale Leere lässt bereits ein Blick auf die Songtitel erahnen: Zwölf Stücke haben sie sich aus dem Rippen geleiert, sieben enthalten in der Überschrift das Pronomen "ich" in (immerhin!) verschiedenen Deklinationsformen. So also erzeugt man also heutzutage Subjektivität. Na dann höre ich doch "Nichts von alledem (Tut mir leid)".

Rosenstolz, "Das große Leben" (Island / Universal)