Ihre Shows sind ein Erlebnis für sich: Man sieht eine kleine zerbrechliche Frau mit Gürtel und Gitarre. Ihre elektronischen Powerhits passen so gar nicht zu dem, was man sieht. Und doch spielt sie alle anderen an die Wand. Passion. Integrität. Danach kann nichts mehr kommen. Und dann schaut man genauer hin und entdeckt die kleine Wunderwaffe: ein iPod baumelt am Gürtel. Und mehr braucht Andrea Kellerman alias Firefox AK auch wirklich nicht. Mit „Madame, Madame!“ hat sie nun ihr erstes Full-length Album herausgebracht und stellt darauf zehn glatte, straighte Popsongs, gepaart mit Eurodisco-Elektrogefrickel, wie man es seit den 90ern nicht mehr hören konnte, vor. Snap meets Bikini Kill sozusagen. Oder auch The Knife meets Bananarama. Allerdings produziert Firefox AK keinen Mallorca-tauglichen Touri-Trash, sondern credible und intelligente sowie fröhliche Popsongs. Und mit Songs wie „Who can act“, „What’s that Sound“ oder dem Titeltrack „Madame, Madame!“ hat Kellerman eine Platte voll discotauglicher Indiehits herausgebracht, und dabei – obwohl sich ihr Sound anhört, als hätte sie eine ganze Armada an Musikern und Produzenten hinter sich – genau wie bei ihren Live-Auftritten fast alles allein gemacht. Zwar stand Produzent Viktor Ginner ihr bei einigen der iPod-Samples zur Seite, doch hat Kellerman alle Songs selbst geschrieben, eingesungen sowie Gitarre und Bass darauf gespielt. Sogar das Layout zur Platte hat sie selbst entworfen. Die einzig ungeklärte Frage ist lediglich: Gibt es irgendwas, was Andrea Kellerman nicht kann?

Firefox AK, „Madame, Madame!“ (Razzia Records) BILD