Wenn es um Landesvatter geht, kommt meist irgendwann der Verweis auf Jan Jelinek, den gleichfalls wahlberliner Posterboy des formschönen Minimal Funk. Weit mehr als das etwas ziellose Vorgängeralbum „Lava“ und die beiden auf sehr unterschiedliche Weise wunderbaren 12-Incher „Ional“ und „Vatterland“ scheint „Lax“ diese Herleitung zunächst zu stützen. Zumindest was das Rohmaterial angeht: Kontrabässe, Rhodes, Marimbas, Klarinetten und mit dem Besen gespielte Snare Drums rufen hier einen nostalgischen Klangkosmos namens „Jazz“ auf und mit ihm ein exklusives System von Geschmack und Kennerschaft. Doch während Jelinek sich dieses Regime des guten Geschmacks ganz zu eigen zu machen scheint und seine diversen Projekte zu immer neuen Höhen der Eleganz treibt, ist bei Landesvatter noch etwas anderes im Spiel als die ständige Optimierung auf größtmögliche Anmut. Zu hart sind dafür manche Schnitte, zu spröde produziert die Samples, die weitgehend ohne weichzeichnende Tiefpassfilter auskommen. Zu ungerade vor allem die Loops, die in einigen Tracks ganz schön ins Stolpern geraten, in anderen aber wieder zu unerwartet schmooven Soundscapes zusammenfinden. Doch das beste an „Lax“ ist nicht diese unerwartete Schönheit, sondern dass vieles darauf einfach rasend komisch ist: Dieses herrlich verquast zusammengebastelte Posaunensolo in „Duz.“ zum Beispiel oder der Reichsparteitagsfußballjubel, der in „S+F“ dezent die sakralen Ambient-Chords kommentiert. Das alles zeugt von einem extrem trockenen Humor, wie man ihn im Minimal Techno sonst meist vergeblich sucht. Dazu passt auch das an Wolfgang Tillmans' Concorde-Projekt erinnernde Cover-Artwork, das den einsilbigen Albumtitel per Großschreibung in ein Flughafenkürzel umdeutet. Schon deshalb: Kaufen, nicht runterladen!

Landesvatter, „Lax“ (Normoton / Alive)