Wer schon einmal Urlaub in Schweden gemacht hat weiß: Dort ist alles größer, schöner und cooler. Erhabener auch das dorten vorherrschende Songwriting. Boy Omega stützt dieses Klischee nicht so ganz unbedingt. Denn um Innovation ist es ihm nicht angetan. Wäre es nicht gotteslästerlich und fast mohammedkarikatürlich, so könnte man behaupten, der Boy sei ein geklonter Wiedergänger von Elliott Smith, dem Master des Herzeleids schlechthin. Nehmen wir nur einmal „Somewhere I’m human“: klingt gerade so, als ob der Boy das Stückchen aus dem Smith’schen Nähkästchen entwendet hätte. Doch seit Smith sich mit dem Messer an die Brust gegangen ist, gibt es da weder etwas zu nähen noch zu entwenden. Boy Omega argumentiert dann auch nicht mit dem Messer, sondern mit dem Holzhammer: Herbstsonne allüberall taucht das Booklet in ein sanftes Abendlicht. Horch, so reden die Fans dem Kitsch das Wort, die Melodien der Zerbrechlichkeit! Höre die Zeilen des Bedeutungsschwangeren! Fühl die steif im Abendwinde klirrende Fahne des Knäckebrottums! Nun ja. Elliott Smith, das war bereits herauszulesen, hat’s gerissen. Der Boy Omega erfreut sich bester Gesundheit, wenn auch bei etwas dystonischem Seelenhaushalt. Macht aber nichts. Der neue Deal ist unterschrieben. Der Durchbruch wird kommen – und den Herzkammerbeutel intakt lassen.

Boy Omega, "The Black Tango", (Riptide Recordings / Cargo)