Wie gern würde ich an dieser Stelle über Musik schreiben! Davon schwärmen, wie frisch und munter sich sexpistoleske Rumpelnummern wie „I can't look at your Skin“ und „Gimme some Love“ auf Coxons sechstem Soloalbum machen. Wie sehr Balladen wie „Just a State of Mind“ und Pub-Pop-Smasher wie „You always let me down“ an die Zeiten erinnern, als der nette junge Mann mit der großen Brille dafür sorgte, dass seine damalige Band Blur zusammen mit The Fall und Pulp eine der treibenden Kräfte britischer Pop-Avantgarde war. Wie gern würde ich berichten, mit wieviel Spaß man zuhören kann, wie sich da genau der Richtige in Stellung bringt für das große 90er-Jahre-Revival. Doch ach, es hat nicht sollen sein, die EMI war davor! Denn ich habe die CD leider nicht abspielen können. Jedenfalls nicht auf meinem PC und mit der Software, die ich zu diesem Zweck nun mal zu benutzen pflege. Tatsächlich ist diese CD nämlich gar keine, kopierschutzbedingt entspricht sie nicht dem Audio-CD-Standard. Es steht sogar auf dem Cover: „Playability on all devices cannot be fully guaranteed.“ Wenn ich nicht noch ein altes iBook rumstehen hätte, dessen Mac OS sich um derlei Gängelungen nicht weiter kümmert, hätte ich diese Platte nie auf meinen iPod bekommen! Nein, liebe Musikindustrie, so wirst du dein baldiges Ableben als Plattenindustrie nicht herauszögern, sondern eher noch beschleunigen. Musik als auf Tonträgern verdinglichte Ware hat im Zeitalter der legalen und illegalen Downloads ohnehin nur noch als Nischenprodukt für Liebhaber eine Zukunft. Und gerade diese Liebhaber wirst du ganz sicher nicht bei der Stange halten, indem du dein Produkt immer ungenießbarer machst. Schade um ein schönes Album, das ich als richtige CD jedermann gern ans Herz gelegt hätte.

Graham Coxon, „Love travels at illegal Speeds“ (EMI)