Den meisten wird Markus Güntner zum ersten Mal auf der 2001auf Kompakt erschienenen und etwas tautologisch betitelten „Pop Ambient“-Compilation begegnet sein, die nicht nur eine lange, erfolgreiche Reihe einleitete, sondern auch den Namen für ein ganzes Genre stiftete. Auf dieser Gründer-Compilation stellte der Regensburger einen zwölfminütigen Rausschmeißer – oder besser Rausgleiter – namens „Pilot“, der an subtiler Fluffigkeit und schwereloser Eleganz alles überstrahlte, was auf der Platte sonst zu hören war. Seitdem ist er so etwas wie ein Star des Genres, hat seinen Beitrag zu allen weiteren „Pop Ambient“-CDs geleistet und mit „In Moll“ und „1981“ zwei Kompakt-Alben rausgebracht, die den hohen Erwartungen in Sachen Eleganz und Fluffigkeit äußerst gerecht wurden. Der coolste Track auf „1981“ war allerdings kein zartes Ambient-Pflänzchen, sondern der brachiale Floorstomper „Hi-Jacked“, der auch auf einen Shitkatapult-Release gepasst hätte. Keine Frage: Dem Mann juckten die Finger, endlich mal was ganz anderes zu probieren. Das tut er nun recht gründlich auf seinem zweiten Ware-Album, „Lovely Society“: Eine große Rundreise durch die Reiche von Minimal Techno und Dubhouse bis hin zu den exstatisch-glitzigen Höhen von Techhouse steht an. Kickende Drums, knacksende Klicks, slicke FM-Chords, langbärtige Filtersweeps und nervende Vocal-Samples, all die Spielzeuge der Kollegen vom Tanzflur wollen ausprobiert werden. Das alles wirkt amtlich produziert, und doch ist man skeptisch, wie viele dieser zehn Tracks sich tatsächlich als Dancefloor-Tools durchsetzen werden. Beim Zuhausehören wirken jedenfalls nur die beiden Schlussstücke wirklich richtig inspiriert, und das sind die mit Abstand Ambient-orientiertesten. Eins davon heißt „Never want to stop playing that Game“. Das macht doch Hoffnung, dass demnächst vielleicht wieder ein reines Ambient-Album erscheint.

Markus Guentner, „Lovely Society“ (Ware / Alive)