Es ist in letzter Zeit ja ein wenig in Vergessenheit geraten: Als „Indie“ noch ein Begriff war, der im Grunde betriebswirtschaftliche Zusammenhänge beschrieb, und stilistische Zuschreibungen stattdessen mit dem Begriff „Alternative“ vorgenommen wurden, durfte noch ernsthaft gerockt werden. Das vermögen Motorpsycho wie sonst kaum eine Band, ihren Ruhm verdanken sie daher nicht der eher zufälligen und in der Bandgeschichte oftmals voller Scham erwähnten Grammy-Nominierung, sondern ihren rüden Gigs auf skandinavischen und deutschen Festivals. Die ersten Jahre des neuen Jahrtausends gaben dann Anlass zur Sorge: Motorpsycho halsten sich Streicher auf und machten sich zu viele Gedanken um die richtige Mikrofonierung und Arrangementausbaldowerung. Nun lassen Motorpsycho die lästige Konzentration beiseite und füllen rhythmisch lediglich den Zahlenraum von eins bis vier. Das ist hübsch übersichtlich und rockt ungemein. Und zwar auf ausgesprochen unterhaltsame Art und Weise: Sonic-Youth-Zitate („Kill Devil Hills“ ist der legitime Nachfolger von „Teenage Riot“) vermischen sie mit dem Humor und der Coolness von Earl Zinger (zumindest auf L.T.E.C. (Deja Vulture Blues)“) und prickelndem Creedence-Clearwater-Revival-Satzgesang (immer mal wieder). „Black Hole / Blank Canvas“ ist ein enorm potentes Wirkmittel gegen Arctic-Monkey-Rumgedölmer und ähnliches Gewhimpe. Schön, dass es sowas noch gibt. Rührend geradezu.

Motorpsycho, „Black Hole / Blank Canvas“ (Stickman / Indigo)