Besagter Nachfolger ist allerdings ziemlich gewöhnungsbedürftig. Anstatt hawaiianische Klänge und poppigen Elektrobeats präsentieren The Knife auf "Silent Shout" elf Instrumental-Techno-Stücke, die gefährlich in Richtung 90er-Jahre-Ballermann-Dance-Mucke tendieren. Einzig und allein ein Merkmal fehlt den Songs zur vollständigen Vermallorcinisierung: Eingängige Refrains à la "Hyper Hyper" bleiben bei The Knife aus. Das hat zwar eine gewisse Logik, wird doch grundsätzlich eher selten gesungen. Aber beklagenswert ist es doch. Denn gerade Karin Dreijers abgefuckt-verfremdete Stimme war auf dem Vorgänger von "Silent Shout" gerade die größte Stärke von The Knife. Sinn und Zweck der Wandelung von The Knife von der innovativsten Band der letzten Jahre zum Techno-Billig-Act bleibt unerschlossen. Fakt ist. Auf "Silent Shout" wirkt das Duo, als hätten zwei 15-Jährige nach der Schule mal eben noch etwas auf ihren Laptop herumgebastelt, ohne sich das Online-Manual zum Sequenzerprogramm herunterzuladen. Und jedes Mal, wenn – wie bei "Neverland" und "We Share Our Mother’s Health" – ein rettender Hit durchzuscheinen scheint, marschieren umgehend die Techno-Beats los und Schluss ist mit lustig. Empfehlenswerter ist da schon Røyksopps neue Single "What else is there" mit Karin Dreijer als Gastsängerin.

The Knife, "Silent Shout" (Rabid / Cooperative Music)