Dieser Mann ist ein Nerd. Man sieht ihn förmlich vor sich, wie im "Paisley Park" sitzt und inmitten von 19-Zoll-Studioeffektgeräten kauert, mit leichter Hand mal hier am Harddiskrecordingsystem fummelt, dort am Sequencer fuckelt, die Fader schiebt und dann mal rasch zum Schlagzeug im Nebenraum sprintet. Weil er eine ganze Weile nicht gewusst hat, wie er eigentlich heißt und wie man das schreibt, hat er nunmehr nur noch wenige Freunde. Sheila "Sex Cymbal" E. ist als einzige aus den "Sign O’ the Times"-Zeiten übrig geblieben. Seit "Musicology", dem als Comeback gewerteten Album von 1994, gehört auch das Saxophon-Alterchen Maceo Parker nun zur Entourage. Und wo Maceo ist, kann Candy Dulfer nicht wirklich weit sein. Und wo Maceo und Candy sich aufhalten, sind sie schon bald von wundersamen Synkopen, wullackenden Bässen und wuchtigen Drums umgeben. "3112" beschränkt sich – von tanzmuckerhaften Balladen wie "Te amo Corazon" abgesehen – auf die reine Lehre des Funk. Das ist nicht gerade wenig erfreulich, da man sich von jemandem wie Prince in dieser Hinsicht gerne einen erzählen lässt. Allerdings wünscht man sich, Prince würde sich mal wieder zu altem Größenwahn versteigen und gänzlich Unerhörtes auf Platte bannen. Vor allem aber wünscht man ihm mehr sozialen Kontakt. Wo ist die New Power Generation?

Prince, "3112" (Motown / Universal)