Karen O ist das perfekte Vorbild für 15- bis 18-jährige Mädchen, die Musikschule ätzend, Tonleitern spießig finden und fürchten, dass man vom Quintenzirkelbegucken Rollkragenpullis bekommt. Sicher, da ist was dran. Aber das ist noch lange kein Grund, seine Freizeit ausschließlich mit dem Lesen der Style and The Family Tunes zu verbringen, damit man weiß, welches Lipgloss gerade geht. Karen O ist beklagenswerterweise der lebende Beweis, dass man nichts können muss, um Erfolg zu haben. Man muss nur möglichst camp aussehen. Karen O kann zwar weder singen noch anständig schreien. Dafür hat sie aber eine Vielzahl greller und verschnittener Klamotten, die coolerweise zu absolut keiner Kombination taugen. Kate Moss kann noch soviel koksen, da kommt sie nie dran! Rockstar-Style galore! Chick-Rock mit Eiern: wird gern genommen heutzutage. "Show your Bones" ist eine uninspirierte Reihung von Stöhnen, Grunzen, Quietschen und Ächzen. Einen Bass gibt es selbstverständlich nicht, das ist gut, weil irgendwie anders. Außerdem musste so schließlich ein Mensch weniger in der Musikschule leiden. Die beiden Männer der Yeah Yeah Yeahs mühen sich wahrscheinlich, fallen aber nicht weiter auf. Natürlich ist die Frau der Star, sex sells, und solange Nick Zinner nicht gerade mit seinem Buddy Conor Oberst abhängt und mit diesem den alkoholkranken, Von-Groupies-verfolgten Rockstar mimt, sieht der Gitarrist der Yeah Yeah Yeahs auch nur halb so sexy aus. Fehlt ihm doch der kranke, bei Karen O so überaus stark ausgeprägte Hang zum Exhibitionismus, der die Sängerin sich ständig in den Vordergrund drängen lässt.

Yeah Yeah Yeahs, "Show Your Bones" (Polydor / Universal)