Zunächst einmal Würdigung des Lebenswerks: Madonnas grandioses Comeback mit "Ray of Light" und das beste, wildeste, glorioseste Blur-Album, "13", wären ohne William Orbits Klanggenie nicht denkbar gewesen. Danke, danke, danke! Das war allerdings 1998 und 1999, also vor etwa zweitausend Jahren. Nun die Würdigung des aktuellen Machwerkes: Ach herrje. Man möchte am liebsten davon schweigen. Aber die schlechte Nachricht muss raus an die Leute. Zunächst weckt "Hello Waveforms" eine durchaus positive Grunderwartung. Der Albumtitel suggeriert ein sympathisch familiäres Verhältnis des Meisters zu seinem Klangmaterial und beschwört gleichzeitig diese merkwürdig brüderlich-wohlwollende Milde herauf, mit der wir Paul Simon trotz allem berechtigtem Hass nicht wirklich böse sein können für seine Schnulze vom "Sound of Silence". Auch die in psychedelischen Falschfarben aufgefalteten Silhouetten unbekleideter Damen und die floralen Ornamente auf dem Cover will man sich durchaus gefallen lassen, sofern man nicht Retro grundsätzlich ablehnend gegenübersteht. Und die ersten Klänge auf der CD lassen einen erstmal staunen: Donnerwetter, amtlich produziert. Rückwärts heranhallende Engelschöre, versonnene Gitarren-Arpeggien, wachsweiche Synthflächen und Sinus-Leads: All das klingt zunächst glasklar und perfekt abgemischt – und führt doch zu ganz und gar nichts außer gut abgehangenem Kitsch. Und dann, auf Track 5, unter dem Namen "Spiral" die finale Unverfrorenheit: In Zusammenarbeit mit den Sugababes und jemandem namens Kenna entsteht ein Stück pseudosouligen Schleimpops, wie man ihn sonst nur im Point-of-Sale-Radio von H&M erdulden muss. Weiter wird auf dieser Platte niemand mit nur einem Funken musikalischer Selbstachtung kommen, bevor er sie in die Tonne wirft. William Orbit, "Hello Waveforms" (Sanctuary / Rough Trade)