Als 2003 das erste Ascii.Disco-Album auf L'Age D'Or herauskam, war das schon ein ziemlicher Coup: verzerrte Killerbässe, stampfende Beats und darüber diese affektiert nölige Stimme, die den Distinktionsterror von Sternschanze und Kastanienallee in schaurige Aperçus goss: „Und wir haben ein Problem, so wie wir unsere Haare tragen!“ Irgendwie war es Holc da gelungen, einen dampfenden Haufen übelsten Schnöseltums zu etwas genuin Coolem zu verdichten. Inzwischen ist der Mann von Hamburg nach Madrid umgesiedelt, und das scheint ihm gutgetan zu haben. Statt schizoide Überlebensstrategien für die Hipstermeilen der Berliner Republik zu entwerfen, hat er sich bei „Alias“ ganz aufs Rocken konzentriert. Der Opener „Closer“ greift noch die wavig-unterkühlte Grundstimmung des Debüts auf und fettet sie schon mal gehörig auf. In „Black Metal“ betonieren dann schon die gerade Cowbell und ein tightes Hardrock-Riff die Herrschaft des Rock'n'Roll. Schamlos maximalistische bomb tracks wie „Baphomet“ und „1%“ lassen Moshpit und Megarave zu einer kochenden Ursuppe zusammenbrodeln, während sich der Titeltrack des Albums fast schon verträumt im Soundrepertoire von New Yorker Noise-Bands wie Sonic Youth bedient und sie zum Dienst auf dem Dancefloor verdonnert. Auch Holcs Stimme hat gehörig an Bandbreite gewonnen: Süßliche Einflüsterungen und finstre Beschwörungen treten an die Seite des überkandidelten Glam. Natürlich bleibt so eine Transformation nie ohne Reibungsverluste: Was „Alias“ gegenüber dem ersten Album abgeht, sind die abgründigen deutschen Texte. An deren Stelle treten anglophone Rock-Klischees – statt „Ich habe Angst vor dem Aldi-Markt“ heißt es jetzt „Gimme Fever, do it right!“ Doch was dabei an Hintergründigkeit verloren gehen mag, holt das Album in Form von schierer Wucht spielend wieder rein.

Ascii.Disco, „Alias“ (Ladomat 2000 / Intergroove)