Man hätte sich diese Begegnung zwischen der Herrin über Bpitch Control und dem Mitbegründer von Shitkatapult ja auch konfrontativer vorstellen können. Als eine Art Armdrücken vielleicht, „Techno-Amazone vs. IDM-Nerd“. Wäre „Orchestra of Bubbles“ ein solches Duell, Allien hätte gewonnen. Klar sind da auch die Klicks, die Glitches, Noise-Modulationen und zerhackten Streichquartett-Samples. Aber die fetten Bassdrums, die subsonischen Bässe und Mayday-kompatiblen Delay-Sequenzen haben halt einfach mehr Wumms. Doch bemerkenswerter als die Frage, wer hier oben liegt, ist ohnehin, wie scheinbar selbstverständlich das alles miteinander harmoniert – und wie wenig überraschend es klingt. Dabei ist es schon rein produktionstechnisch eine Leistung, wie auf dieser Platte so disparate Sounds in einem gemeinsamen hübsch fluffig angefilterten Hallraum aufgehen, anstatt sich gegenseitig nur zu übertönen. Sanfte Ambient-Beschaulichkeit, kitschige Trance-Höhenflüge, süßlich gehauchter Bubblegum-Pop mit U2-Gitarren, rüpelige Electro-Breaks und Anflüge von Schlager-House grasen nicht nur friedlich nebeneinander, nein, sie bilden gemeinsam ein fast schon obszön gelungenes Popalbum. Besonders hübsch anzuhören: die drei veritablen Songs des Albums, „Way out“, „Leave me alone“ und „Bubbles“. Techno und Vocals, das ist ja eher schwierig. Aber in diesen drei Stücken wirkt es kein bisschen aufgesetzt, so organisch sind die Stimmen von Allien und Ring in den Mix eingefügt. Richtig schön rund eben. Und man fühlt sich zehn Jahre zurückversetzt in die Zeit von Orbital, Underworld, Björk, dem ganzen panelektronischen Popdings. Und fragt sich: Gibt es denn überhaupt nichts Neues mehr? Vermutlich einfach die falsche Frage.

Ellen Allien & Apparat, „Orchestra of Bubbles“ (Bpitch Control / Rough Trade)