Weil Blumfeld die prototypische Diskursrockband sind, ist die Rezeption traditionell weitaus interessanter als die Musik. Wie immer ist die neue Platte wahlweise die bisher beste oder schlechteste des bisherigen Oeuvres. Überraschend allerdings votiert Jens Balzer, Rezensent der Berliner Zeitung und seit erdenklichen Zeiten von lesenswert intensiver Blumfeld-Abneigung beseelt, für ersteres. Dass Jochen Distelmeyer nunmehr ausschließlich über Hund, Katze, Maus singt, sei uneingeschränkt zu begrüßen, da er sich nun den wirklich wichtigen Fragen der Existenz widme: "Woher kommt das Obst? Und wohin geht es? Wo entspringen die Flüsse, die man mit Schiffen befährt?" Weniger helle Geister erregen sich indes über den plötzlichen Mangel an konkret-politischen Handlungsanleitungen, die sie auf den Alben zwischen "Ich-Machine" und "Testament der Angst" herausgehört haben wollen. Was aber allgemein übersehen wird, ist, dass Jochen Distelmeyer zwar immer wieder den ein oder anderen schönen Einfall hat, aber keineswegs der überragende Super-Texter ist, als der er allenthalben gehandelt wird. Als Krone der Dichtkunst wird zurzeit das Stück "Strobohobo" gewertet, ein zugegebenermaßen munteres Stück voll des heiteren Nonsens’. Der Gag: Es kommen besonders viele Wörter mit O darin vor. Die Zeile "Oblomov malt mit Bob Ross" ist zweifellos noch ganz hübsch, doch schnell verstrickt sich Distelmeyer in dem Konzept: "Tock, tock, tock / Es pulst und kocht im steten Monologo / Der Kobold hat nur Quatsch im Kopf und tanzt mit Yoko Ono Pogo". Nun ja. Schön ist das im engeren Sinne nicht. Schlimm (oder politisch) auch nicht. Es ist, was es ist: nicht so wichtig. Was der Dichter uns damit sagen will? Endlich einmal nichts.

Blumfeld, "Verbotene Früchte" (SonyBMG)