Pearl Jam sind wohl die einzige Band, die den Grunge-Boom und sein Ende ohne große Blessuren überlebt hat. Stone-Temple-Pilots-Sänger Scott Weiland ist mit Velvet Revolver zum Glamrock übergewechselt, Courtney Love ist zu einer Witzfigur mit falschen Brüsten geworden, und Nirvanas Kurt Cobain hat sich bekanntermaßen das Gehirn weggeblasen. Kaum glaublich, dass alle Mitglieder von Pearl Jam noch am Leben sind, ohne andauernd in den Klatschspalten der internationalen Presse um Aufmerksamkeit zu buhlen. Man muss ihnen fast Respekt dafür zollen, dass sie inzwischen ihr schon achtes Album herausbringen. Darauf echauffieren sie sich in Songs wie "Life wasted", der Single "World wide Suicide" oder "Army Reserve" artig über die Regierung Bush und den Krieg im Irak. Musikalisch geben sich Pearl wieder punkiger als auf ihren letzten Alben, doch bleibt ihr Debüt "Ten" weiterhin das unangefochtene Meisterwerk der Band. Irgendwo gibt es sicher trotzdem noch vereinzelte Pearl-Jam-Fans, die Vedders Bush-Bashing fabelhaft finden, auch wenn man auf "Pearl Jam" vergeblich nach einem Hit sucht. Eher plätschert das Album nachdenklich vor sich hin.

Pearl Jam, "Pearl Jam" (J Records / SonyBMG)