Anfang der Neunziger betitelte das Thrasher-Magazin eine neue Musikrichtung aus Washington, DC als "Emo-Core". Ian MacKaye, der Sänger von Embrace, der Band, die damals diesen Trend auslöste, bezeichnete das Label als "das dümmste, was er jemals gehört" habe. Trotzdem setzte sich die Bezeichnung durch. Inzwischen hat Emo-Core nichts mehr mit den damaligen Bands und deren DIY-Gesinnung gemein, der Begriff bezeichnet einfach gitarrenlastige Bands mit viel Pathos, die auf Heavy Rotation bei MTV laufen. Eine dieser Bands ist Taking Back Sunday, und man mag bezweifeln, dass deren Mitglieder den Ursprung des Genrebegriffs kennen. Eher scheinen Taking Back Sunday eine Gruppe an College-Kids zu sein, die – um berühmt zu werden – einem Trend nacheifern. Vor kurzem durften sie erst mit ihren Helden, den Sell-out-Punks von Green Day, live auftreten. Kein Wunder: Die Plattenfirma hat ausreichend Kohle, sich bei diversen Schlüsselmedien einzukaufen, auf dass Taking Back Sunday zur Lieblingsband der Myspace-Generation werden. Taking Back Sunday sehen das naturgemäß anders: Mit ihrem neuesten Werk "Louder Now" meinen sie, ein kleines Meisterwerk geschaffen zu haben. Fred Mascherino, seines Zeichens Gitarrist und Sänger der Band, glaubt laut Bandinfo, die Band habe etwas Zeitloses geschaffen, das auch in zehn Jahren noch von dringlicher Gültigkeit sein werde. Ob die Menschen in zehn Jahren noch unterscheiden können zwischen Taking Back Sunday, Thursday oder Good Charlotte – so austauschbar, wie diese Combos sind? MacKaye dürfte das nicht scheren. Er ist wahrscheinlich nur froh, dass die Bezeichnung "Emo-Core" inzwischen auf diese Boybands angewendet wird und nicht mehr auf die DIY-Punk-Bands von seinem Label Dischord.

Taking Back Sunday, "Louder Now" (Warner)