Als hätte man es nicht längst gewusst: Langjährige Heroinsucht, Westcoast-New-Age und regelmäßige Besuche in Muckibuden für Prominente wirken unauslöschlich aufs Zerebrale. Allerdings sind die Effekte mal so, mal so: Als Anthony Kiedis 1991 auf "Blood Sugar Sex Magic" putzige Texte über Los Angeles und teilrasierte Primärgeschlechtsteile amerikanischer Polizistinnen in die von Rick Rubin aufgestellten teuren Studiomikrofone sprechsang, war die musikalische Dokumentation dieses Geisteszustands uneingeschränkt begrüßenswert. Die auf den kommerziellen Durchbruch folgenden drei Alben ("One hot Minute", "Californication" und "By the Way") wurden dann eher als mehr oder weniger hinnehmbare Belästigungen durch hirngeschädigte Superstars wahrgenommen. "Stadium Arcadium" könnte nun die Wende bringen: Kiedis befasst sich weiterhin mit dem Für und Wider des Lebens in Kalifornien, kann unterm Strich aber dann doch eine Empfehlung aussprechen (ebenso wie für die geschlechtliche Liebe). John Frusciante spielt seine wie immer kläglichen Gitarrensoli, die mehr falsche Töne enthalten als eine durchschnittliche Improvisation von Stones-Zweitgitarist Ron Wood. Flea spielt halbwegs tight lustige kleine Funk-Links, Drummer Chad Smith bemüht sich nicht ohne Erfolg, den Sauladen zusammenzuhalten. Es handelt sich also um den hinlänglich bekannten RHCP-Spuk – der auf "Stadium Arcadium" zur Abwechslung allerdings überraschend viel Spaß macht. Die Band scheint mental halbwegs gut zurecht und hat sich die Mühe gemacht, ernstzunehmende Arrangements anfertigen zu lassen und auch mal wieder kräftiger zuzulangen ("Readymade"). Außerdem ist der Sound hervorragend (teure und teuerste Mikrofone, durch Rick Rubin aufgestellt). 28 Stücke auf zwei CDs verstreichen, ehe ein Szenario beginnt, dass der erwähnte Promo-Waschzettel sehr plastisch schildert: "Und wenn die Stille dich zurück auf die Erde kommen lässt, wird sie sehr tief in deren Kot eintauchen."

Red Hot Chili Peppers, "Stadium Arcadium" (Warner)