Als die Weltöffentlichkeit der Existenz der Mediengruppe Telekommander gewahr wurde, tat sie in ihren publizistischen Organen gerade so als hätte man dergleichen noch nie zu hören bekommen: Analog-Synthesizer, Beats, gestalterisch eingesetzte Produktionsschlamperei und Cut-up-Texte aus Werbeslogangeballer, Boulevard-Headlines und altlinke Floskeln. In Wirklichkeit kennt man einen derartigen Sound aus den mittleren Tagen des Deutsch-Rap. Auch "Näher am Menschen" kann man sich vorstellen als eine Mischung aus dem jungenhaften Charme der Freaks Association Bremen und der schnell wieder in der Versenkung verschwundenen Ost-Combo Das Auge Gottes. Und sänge Bernhard Hoecker den "Mussolini" von DAF, wäre das Ergebnis ungefähr gleichbedeutend mit dem, was Florian Zwietnig und Gerald Mandl als Mediengruppe Telekommander zuwege bringen. "Näher am Menschen" ist eine ideale Platte für gebildete Menschen, die Mitmachen uncool finden, Fernsehdurchsagen misstrauen und das Gefühl haben, es laufe irgendetwas falsch im Lande – wenn man nur wüsste was! Die Lyrics funktionieren alle in etwa nach dem Muster von "Das Leben ist eine Baustelle – and so are we", artikulieren also das Unbehagen des Menschen in der Popkultur, wollen sich aber nicht wirklich beschweren (bei wem auch?). Das bringt erheiternde Momente, ist oft von schlichter Wahrheit – und von der oftmals in Hinblick auf die Mediengruppe propagierten Großartigkeit dann doch weit entfernt.

Mediengruppe Telekommander, "Näher am Menschen" (Mute / EMI)