Das Allerstaunlichste an der ohnehin nicht wenig wunderlichen Band ist, dass sie jemand hören möchte. Das Vorgängeralbum "Lateralus" schaffte es auf Platz 1 der Billboard-Charts und verkaufte sich nach Angaben der Plattenfirma über zwei Millionen Mal. Dabei nehmen Tool wenig Rücksicht auf leichte Durchhörbarkeit. Auch "10,000 Days" ist wieder schwierig, schwierig. Wer möchte und mehr kann als nur bis vier zählen, vermag einen hochkonzentrierten Nachmittag damit zubringen, die verschroben-verschobenen Taktarten auszuzählen. Jede musikalische Passage ist gut gedacht und noch besser gemacht – was in Zeiten des DIY-Wahns und der allgemeinen Ablehnung von Expertentum zugunsten eines angeblich sympathischen Dilettantismus und vorgeblicher emotionaler Unmittelbarkeit nicht nur bemerkenswert ist, sondern in vielerlei Kreisen auch Anlass zu wütender Ablehnung geben dürfte. Kurz und gut: Tool sind eine Muckerband, die viele Gedanken auf Gitarrenvoicings, Turnarounds und Quintenzirkeleien verwendet. In den schnelleren Passagen wird das durchaus ostentativ betrieben – exakter als zu Beginn von "Intension" ist ein Snare-Roll schon lange nicht mehr gespielt worden. Solch knallige Spielfreude wird dann durch elegische Stücke wie "Rosetta stoned" kontrastiert, die den Geist sedieren und die grauenhaftesten Depressionsdämonen herbeirufen – die dann auch 11 Minuten und 12 Sekunden das Feld nicht mehr räumen. Wie man das aushalten soll? Keine Ahnung. Aber es lohnt sich. Man lernt Geduld und Demut.

Tool, "10,000 Days" (Tomba / SonyBMG)