Inzwischen ist Joel Gibb, der Kopf des Kollektivs, nach Berlin gezogen. Nach Geistlichen, die ihm ihre heiligen Hallen zur Verfügung stellen, wird er in Deutschland wohl vergeblich suchen müssen, denn auch das dritte Album der Hidden Cameras thematisiert wieder schwules Leben in all seinen Facetten. Doch Vorsicht – wer jetzt an Rosenstolz, Grand Prix und Federboa denkt, erliegt den eigenen Vorurteilen! Genau die wollen Gibb und seine Truppe abbauen, indem sie gerade nicht jenen Klischees entsprechen, die mit schwuler Musik in Verbindung gebracht werden. Auch mit ihren Texten machen sie sich in der Szene nicht immer beliebt. "Ban Marriage" lautete der Semi-Hit ihres Debüts von 2003, in dem die Hidden Cameras jede Form der Ehe als antiquiert kritisierten, auch die unter gleichgeschlechtlichen Partnern. Die Hidden Cameras wollen alle ansprechen: Männer wie Frauen, Schwule und Nichtschwule. Deshalb sind die bilderreichen Texte voller Zitate, die vom Alten Testament bis zum einstigen Skandalautor Jean Genet reichen, bewusst offen interpretierbar. Musikalisch führt "Awoo" das quicklebendige Stilgemisch fort: Beach Boys-Melodien und mehrstimmige Refrains werden zu amtlichen Ohrwürmern. The Hidden Cameras, "Awoo" (Rough Trade / Sanctuary / RTD)

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