"5:55" wurde von einem Dreamteam fabriziert. Zuerst einmal ist da Nigel Godrich – namentlich vielleicht unbekannt, allerdings stand der werte Herr schon bei Radiohead hinter den Reglern. Er produzierte Charlotte Gainsbourgs neues Album, das zum Großteil niemand anderes als der großartigste französische Export, Air, einspielte. Deren unverwechselbaren Sound hört man auch deutlich heraus – ohne Gainsbourgs Gesang könnte das Album tatsächlich auch als Air-Produktion durchgehen. Doch damit nicht genug: die Texte für Gainsbourg schrieben tatsächlich Jarvis Cocker, dem Ex-Frontmann von Britpop-Hit-Maschinerie Pulp sowie von Neil Hannon von Divine Comedy. Allerdings hat die französische Charlotte textlich dann doch auch das eine oder andere Verslein beigetragen und das sogar – außer dem Song "Tel que tu es" – in Englisch! Eine Leistung, die der Würdigung bedarf. Doch trotz ihrer sprachlichen Verausgabungen und all der großen Namen ist Gainsbourgs "5:55" leider sterbenslangweilig und eignet sich höchstens als Fahrstuhlmusik. Bei Gainsbourgs perwollweicher Stimme helfen auch die Cockers und die Airs dieser Welt nicht mehr – hier wurde Kuschelrock galore produziert, ohne jegliche Persönlichkeit und jeglichen Charme. Zu viele Köche tun auch einem Klangbrei nicht gerade gut. Hätte die Frau Gainsbourg lieber einmal etwas Eigenes geschaffen – auch wenn sich der Promotext zu "5:55" dann weniger beeindruckend gelesen hätte. Charlotte Gainsbourg, "5:55" (Warner)

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