Nervigster Satz des Jahres: "Sag mal, hast du die Fotos schon gesehen?" Welche Fotos? Etwa die letzten Urlaubsfotos mit Omi auf den Azoren? Die auf dem aufgepimpten Myspace-Profil der besten Freundin? Nicht doch: Neuerdings zielt diese Frage auf die Band mit Namen Fotos. Unentwegt spielten die vier sich mit Showcases und diversen regulären Shows unlängst durch sämtliche Clubs der Republik. Ein extrem kluger Schachzug. Denn nun, zum Zeitpunkt ihres Debüt-Releases, kennt jeder die Band zumindest schon beim Namen, die Fotos haben sich bereits eine kleine Fangemeinde erspielt und ihr Name ist Gesprächsthema Nummer eins bei extrem unlustigen Small-Talk-Witzeinlagen. Musikalisch gesehen bewegen sich Fotos zwischen angepunktem Indierock und silbermondigem Pop. Im starken Gegensatz zur überalternden Hamburger Schule klingen die Fotos erfreulich ungestüm und jung. Kein Wunder: Sänger Tom Hessler ist gerade mal 22 Jahre alt und schreibt dabei sehr viel straightere und charmantere Texte als so einige seiner älteren Kollegen. Vielleicht sind die Fotos die längst überfällige nächste Generation an Indierock-Bands, die endlich ausziehen, um die alkoholkranken und selbstbeweihräuchernden eingedeutschten Möchtegern-Oasis’ abzulösen. Und auch wenn ihr Debütalbum "Fotos" teilweise noch ungewollt holprig klingt, so findet sich darauf doch die Hitsingle "Giganten". Mit Sting’schem "Fields of Gold"-Ansatz und einem Refrain zum Mitsingen könnte sie der Hit des Sommers werden – wäre der Sommer nicht schon längst vorbei. Bleibt nur zu hoffen, dass Fotos nicht so enden wie vor einem Jahr Hund am Strand: mit einer einzigen Hitsingle und einem kreischenden Teenie-Publikum, das nur den einen Song kennt.

Fotos, "Fotos" (Labels / EMI)