Steve Reich, eine der treibenden Kräfte der amerikanischen Minimal Music, ist zweifellos einer bedeutender Komponist des zwanzigsten Jahrhunderts. Da ist es mehr als angebracht, seinen runden Geburtstag mit einer üppigen Fünf-CD-Box zu würdigen, die alles enthält, was man von ihm kennen sollte – und ein paar Verzichtbarkeiten noch dazu. Die Sammlung heißt sinnigerweise "Phases". In einer besseren Welt wäre damit alles gesagt.

Doch leider begab es sich Mitte der 1990er Jahre, dass ein paar Musiker, deren zahllose Subgenres damals unter dem Sammelbegriff IDM (Intelligent Dance Music) zusammengefasst wurden, sich nicht mehr mit der bis dahin rein funktionalistischen Definition ihres Schaffens zufrieden geben wollten. Ein Überbau musste her, "Wurzeln" möglichst seriöser Provenienz waren zu entdecken.

Fündig wurde man unter anderem bei Steve Reich: Pattern-orientierte, repetitive Kompositionsweise, die irrwitzigen Schwebeeffekte seiner frühen Experimente mit Phasenverschiebungen – der Mann hatte Techno erfunden! Reichs Stammlabel Nonesuch witterte angesichts solch absurder Vereinnahmungsversuche großes Cross-Marketing-Potential und brachte 1999 ein Album mit überwiegend grottigen und ausnahmslos verzichtbaren Remixes von damals üblichen Verdächtigen wie DJ Spooky und Coldcut auf den Markt.

Anstatt diese Entgleisung nun stillschweigend zu übergehen, wird sie anlässlich des Geburtstags neu aufgelegt – und um vier neue Remixes ergänzt. Drei davon fallen immerhin etwas eleganter aus, als die übel pompösen Machwerke der 1999er Sammlung: die von Four Tet, von Alex Smoke und von jemandem namens Ruoho Ruotsi, der diese Ehre bei einem Wettbewerb der BBC gewonnen hat. Gegenüber der genialen Einfachheit von Reichs Tape-Loop-Experiment "Come Out" von 1966, dessen Originalversion die Remix-Doppel-CD abschließt, kommen aber auch sie nicht an.

Steve Reich, "Phases" (Nonesuch/Warner)
Diverse, "Steve Reich Remixed 2006" (Nonesuch/Warner)