Was hat Ade Blackburns eigentlich im Mund? Eine Kartoffel? Einen Boxer-Beißschutz? Oder singt dieser Typ tatsächlich absichtlich so? Blackburns’ Gesang klingt, als würde er seinen Mund nicht aufkriegen, als wäre sein Oberkiefer an den Unterkiefer geleimt. Er zischt und presst und spuckt einem dann wütend die Worte vor die Füße, als wären sie eine Art widerliche Krankheit, die es zu heilen gilt. Doch ist genau diese nuschelnde Art zu singen das herausstehende Merkmal seiner Band Clinic – selbstverständlich nur neben ihren seltsamen Bühnenkleidern, die aus Atemschutzmasken und Arztkitteln bestehen, und ihrem melancholischen Musik, die abwechselt zwischen zerknirschender Ballade und hippiehaftem 60er-Jahre-Surfrock.

Von Leid und Schmerz und Tod geprägt ist das Leben eines Arztes und so findet sich auch auf Clinics "Visitations" kein Quäntchen Freude, Fröhlichkeit oder gar Hoffnung. Deprimiert und quälend langsam kämpfen sich die Hobbyärzte mit undefinierbaren, raschelnden Sub- und Zwischengeräuschen, Orgelunterstützung und dubbigen Drums durch die Tracks auf ihrem neuen Album. Doch auch wenn die Geburt von "Visitations" eine schwierige gewesen zu sein scheint, hat sie sich dennoch gelohnt. Nun ist das Baby da, es ist vollkommen gesund, und einen gewissen Charme hat es auch schon. Also: Clooney aufgepasst! Gekonnt sägen Clinic am Thron des coolsten Arztes des Welt.

Clinic, "Visitations" (Domino)

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