Ein Blick in die Liner-Notes lässt erstmal Böses ahnen: "In der jüngeren Musikgeschichte gibt es eine Menge Beispiele für missglückte Pop-Versuche von Musikern, die einem experimentellen Hintergrund entstammen." Wohl wahr. Auch nicht viel vertrauenserweckender: Das Album-Cover zeigt einen hageren jungen Mann mit Dackelblick.

Aha, so sieht also Adam Butler aus, der bisher unter dem Namen Vert tolle Digitalmusik abgeliefert hatte. Wollte das jemand wissen? Der erste Song: Ragtime-Piano, Schweineorgel, Kontrabass und ein dünnes Stimmchen, das mit britpoppigem Mockney-Akzent pseudophilosophischen Mumpitz murmelt: "I'm standing on the corner between space and time, watching movements become moments, watching curves turn into lines." Aua. Hätte der Einstieg in den Umstieg aufs Liedgut-Metier unglücklicher ausfallen können? Naja, immerhin keine Akustikklampfen.

Beim Weiterhören passiert dann das Unerwartete: Das Ganze fängt an, Sinn zu machen! Klavier, Kontrabass, Bläser und Marimba fügen sich mit den sparsam kaputtgefilterten Beats und den dezent dosierten Digital-Artefakten zu durchaus originellen Arrangements. Man erahnt Anklänge an Schnipselpop nach Beck-Manier, an melancholischen Spelunken-Jazz à la Tom Waits oder an drolliges R'n'B-Spinnertum, wie es der große Gonzales betrieb, bevor er sich selbst zum klavierspielenden Kleinkunst-Clown degradierte. Nun hat Butler weder den Wortwitz von Gonzales noch die Stimmgewalt von Waits, und auch der Novelty-Effekt, auf dem Beck seinerzeit nach ganz oben ritt, ist lange verflogen. Und doch klingt das ganze nicht nur wesentlich netter, als zu befürchten war, es weckt auch Neugier auf mehr: Wie es wohl weitergeht? Wird Vert sich tatsächlich als Off-Pop-Act etablieren? Oder ist "Some Beans & an Octopus" eher als Bewerbung um Produzenten-Jobs für anderer Leute Pop zu verstehen? Komplett abschreiben muss man den Mann jedenfalls nach seinem Seitenwechsel noch nicht, und das ist ja schon mal erfreulich.

Vert, "Some Beans & an Octopus" (sonig/Rough Trade)

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