Die Libertines waren schon ein Phänomen für sich. Die selbsterklärte Bruderschaft des Grand Hotel Van Cleefs ist nichts gegen die frühere Freundschaft zwischen Pete Doherty und Carl Barât. Die beiden haben sogar dasselbe Libertines -Tattoo. In ihren Videos liefen sie in Lederjacken und zerrissenen Jeans durch die Straßen und sahen cooler aus als der Rest der Welt. Eine Mischung aus cocky Arbeiterklasse und der Glitzerwelt des Ruhms, die sich in dilettantischen, aber gerade deswegen unglaublich guten Songs niederschlug. Dann kam der Bruch. Doherty versuchte in Barâts Haus einzubrechen, um Geld für Drogen zu klauen, die Freundschaft zerbrach. Doherty fand sich tagtäglich mit Drogenexzessen und seiner wild-romantischen Affäre mit Model Kate Moss in den englischen Schundblättern wieder, Barât verschwand in der Versenkung. Es hieß, er habe Depressionen, könne den Verlust seines Freundes Doherty nicht verkraften. Und der Rest der Libertines ? Blieb bei Barât. Während Doherty mit den Babyshambles eine zweitklassige Schülerband auf die Beine stellte, machte Barât mit einer durch Didz Hammond (früher bei The Cooper Temple Clause ) erweiterten Form der Libertines weiter. Der Dilettantismus wurde bei Doherty gelassen und so klingt Barâts neues Projekt schlicht und einfach wie eine professionelle Form der Libertines . Und das ist auch okay so, die Songs sind immer noch cool und haben Style, im ersten Video der Dirty Pretty Things zur Single „Bang bang, you’re dead“ wird immer noch in Lederjacken durch die Stadt gelaufen. Doch was die Libertines ausmachte war eben das Gang-Gefühl, diese dicker-als-Wasser-Freundschaft, diese einzigartige „Pete-und-Carl-Show“. Und dazu braucht man mehr als nur feine Songs und Lederjacken – nämlich Doherty.

Dirty Pretty Things, „Waterloo to Anywhere“, (Mercury/Universal)