Um Sonic Youth hatte man sich mehrfach schon Sorgen machen müssen. Zuerst Mitte der Neunziger, als sie als erste Indie-Band bei einer Major-Company unterschrieben. Ein Produzenteneinsatz von Butch Vig für „Dirty“ war die Folge. Die Avantgarde arrangiert sich mit dem Pop – das hätte nicht gutgehen müssen. Tat es dann aber doch. Dann aber kam das neue Jahrtausend, und Sonic Youth veröffentlichten Platten wie „NYC Ghosts & Flowers“ und „Murray Street“, die im Ansatz einigermaßen gerontisch erschienen und Angst machten vor einer Überalterung des Indie. Dass sie mit Jim O’Rourke einen Elektronikbastler in die Band holten, konnte nichts weiter sein als eine Panikreaktion. Und nun das: Jim O’Rourke möchte künftig ausschließlich Filme machen, Sonic Youth sind in ihrer Stammbesetzung aus Thurston Moore, Kim Gordon, Lee Ranaldo und Steve Shelley wieder ganz bei sich. Eine begrüßenswerte Entwicklung: Sonic Youth lassen die straighten Songs weitaus subtiler von Lärmkaskaden durchwirken, was dem ganzen Unterfangen von „Rather ripped“ durchaus wohl bekommt. Songs wie „What a Waste“ oder der Opener „Reena“ laufen gut rein, haben aber noch genug Ecken und Kanten, um der allzu leichten Durchhörbarkeit zu entgehen. Einzig Kim Gordon möchte man bei ihren gewohnt atemlosen Gesangseinsätzen zu etwas mehr Hysterie raten. Aber immerhin: Um Sonic Youth muss man sich fürderhin keine Sorgen mehr machen.

Sonic Youth, „Rather ripped“ (Geffen / Universal)