Nicht weniger als die Welt zu ändern steht auf der Agenda der so genannten Bastardkinder des deutschen HipHops. Konzerne wollen sie in Discos umwandeln und Texte wie „Nur dröges Volk und Gruppenzwang / Depression und Pickelface“ werden von Rezensenten als gesellschaftskritisch bezeichnet. Mehr als Schlagworte, Referenzen auf Kokain und das vermeintlich geile Partyleben der Deichkinder geben die Texte allerdings nicht her. Nach drei Songs nerven nicht nur die oberflächlichen und pseudokämpferischen Lyrics, sondern auch der verzerrte Sprechgesang, die unangenehme Betonung der in die Länge gezogenen, kindlich-genölten Vokale. Musikalisch unterlegt wird das Ganze von Beats, die klingen, als wären sie im heimischen Kinderzimmer auf einem C-64 entstanden. Es piept und fiept und nach den ersten paar Songs greift man instinktiv nach Packung Aspirin und überlegt sich, ob man nicht einmal zum Ohrenarzt gehen sollte – Tinnitus-Verdacht! Ist man mit Song zwölf von „Aufstand im Schlaraffenland“ endlich beim letzten Stück angelangt, merkt man jedoch, dass sich bei diesem Fiepen nicht wie gedacht um Tinnitus handelt, sondern dieses die ganze Platte dominiert. Deichkind hätten von Euro-Trash-Acts wie Captain Jack noch einiges lernen können, hätten sie sich in ihrer Grundschulzeit mehr mit damals populärer Musik interessiert – jedoch waren sie anscheinend Computernerds und somit extrem unsexy. Von einem Aufstand kann auf diesem Album jedenfalls keine Rede sein – die Beats auf „Aufstand im Schlaraffenland“ sind so erzkonservativ und veraltet, dass einem der Gedanke kommt, Deichkind könnten auf ihren kokaingeschwängerten Partys mit Beckstein persönlich über „Fun“ und ihre „Electric Super Dance Band“ palavern.

Deichkind, „Aufstand im Schlaraffenland“ (Universal)