Am Kopfende meines Bettes liegt eine Auswahl von Büchern, die mich in letzter Zeit fasziniert haben: "Middlesex" von Jeffrey Eugenides, "Das Paradies ist anderswo" von Mario Vargas Llosa und "Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich" von David Foster Wallace. Alles schöne, interessante Bücher. Aber wahrscheinlich hätte ich nicht eines davon angefangen, wäre mir nicht in meiner Jugend eine viel weniger hochkulturelle Lektüre in die Finger gekommen: "QRN ruft Bretzelburg" - ein Comic-Buch von André Franquin.

Während meiner Kindheit habe ich so gut wie nie gelesen. Vielleicht ein "Pitje Puck" oder "Die Welle" als Zwangs-Lektüre in der Schule. Literatur, ebenso wie Kunst, hat mich in keiner Weise interessiert. Ausgerechnet ein Comic hat das verändert. Nach "QRN" wollte ich zunächst Comic-Zeichner werden, dann Künstler und schließlich Schriftsteller. Alles, was man als Kultur bezeichnet, bekam in den Folgejahren einen Glanz, den es vorher nicht hatte.

Dass ausgerechnet ein Comic diese Faszination auslöste, ist im ersten Augenblick nicht unbedingt nachvollziehbar. Schon der Titel klingt nicht besonders einladend: "QRN ruft Bretzelburg" ist Band 16 der deutschen Ausgabe von "Spirou und Fantasio". Es erzählt die Geschichte zweier benachbarter Länder, die sich in einem Konflikt befinden und darum ein Wettrüsten beginnen. Das diktatorisch geführte Königreich Bretzelburg lässt seine Bevölkerung für neue Waffen ausbluten. Die Einwohner hungern und tragen Anzüge aus Papier. Wer aufmuckt, wird umgehend von der Bretzpo, der Bretzelburger Geheimpolizei, inhaftiert. Der König ist formales Staatsoberhaupt, in Wirklichkeit aber nur eine unter Drogen gesetzte Marionette der Waffenhändler.