Endlich, ich tue es. Ich schreibe über das Buch, das mir in seinem quietsch-orangen Plastikeinband ununterbrochen zuruft "Do it! Tu es!".

Es kommt mir banal vor, einfach ein Wort hinter das andere zu setzen. So, als wäre "Do It!" ein ganz normales Buch, das nun eine ganz normale Kritik bekommt. Denn "Do It!" ist geradezu eine Bibel für mich. "Do it!" weiß immer eine Antwort, "Do it!" bringt mich zum Schmunzeln, Verzweifeln, nimmt mich in den Schwitzkasten und wirbelt mich durch die Luft. "Do it!" habe ich erst ein einziges Mal verliehen. An meinen ersten Freund - als Vertrauensbeweis. Das bereue ich heute noch.

Meine Freunde dürfen es natürlich gerne bei mir einsehen. Yvonne, zum Beispiel, verlässt mein Zimmer nie, ohne einen Blick in das "magische Buch" zu werfen und mich jedes Mal aufs Neue zu bitten, es ihr doch "nur für eine Woche" zu überlassen.

Neutral betrachtet ist "Do it!" die Buchversion zu der von Hans-Ulrich Obrist gestalteten gleichnamigen Ausstellung, die durch die ganze Welt zog und an mehreren Plätzen gleichzeitig zu sehen war. Die Ausstellung, auch als Internet- und Fernsehversion vorhanden, dreht sich um Handlungsanweisungen und ist von über 120 Künstlern gestaltet. Alle geben sie Anweisungen: verrückte, tödliche, unmögliche, sonderbare, simple.

Und für mich das Wichtigste: sie machen den Rezipienten zum Künstler, sie geben mir vor, verrückt zu sein, diese Regeln sind oft sogar regelwidrig - das macht sie mir unwiderstehlich.

Ein Satz reicht manchmal aus, manchmal nicht zwei Seiten. Es gibt Anleitungsskizzen, die weniger anleiten als verwirren, Sätze, die verdrehter sind, als sie klingen.